Kritik

Gute Nacht: Das Belvedere zeigt dunkle Kunst

Lexikon | aus FALTER 46/12 vom 14.11.2012

Das Belvedere widmet einem der großen Themen der Kunstgeschichte eine große Ausstellung: der Nacht. Die Auswahl der Werke reicht von dem nach innen gestülpten Weltaußenraum der Romantik, etwa in der winterlichen Mondlandschaft von Carl Gustav Carus, bis zu Beispielen zeitgenössischer Künstler. Brigitte Kowanz etwa schuf das Neonobjekt mit dem Titel "Memoria“. Der Neonschriftzug "Memoria“ vervielfacht sich in einer verspiegelten Box unendlich oft, sodass das Objekt eine traumartige Qualität bekommt. Das elektrische Licht macht die Nacht zum Tag, ermöglicht aber auch neue Visionen einer projizierten, den Gesetzen der Rationalität enthobenen Wirklichkeit.

Die Ausstellung wurde von dem Belvedere-Kurator Harald Krejci und der Kunsthistorikerin und Kunstkritikerin Brigitte Borchhardt-Birbaumer kuratiert. Borchardt-Birbaumer schrieb ein Grundlagenwerk zum Thema "Kunst und Nacht“ und lässt ihr profundes Wissen in die Auswahl der Werke einfließen. Sie deutet Gustave Courbets Selbstbildnis "Verwundeter“ als Allegorie des modernen, psychologisch aufgeladenen Nachtlands der Seele. "Die Nacht im Zwielicht. Kunst von der Romantik bis heute“ fügt Bildideen verschiedener Epochen zu einem Panorama der Dunkelheit zusammen, in dem sich der Lichteinfall so malerisch abhebt.

Insgesamt leidet die Ausstellung am Fehlen einer These, die dem vielen Material ein Gerüst geben würde. Positiv hervorzuheben ist, dass die Kuratoren der Fotografie einen gleichwertigen Rang neben Skulptur und Malerei einräumen, was die Bedeutung dieses Mediums für eine Vermittlung zwischen Wissenschaft, Kunst und Massenmedien unterstreicht. Die Kuratoren riskieren manchen ungesicherten Blick, etwa auf die ansprechenden Malereien Erhard Stöbes. Die Nacht ist bei ihm ein leeres Kino. MD

Belvedere, Unteres Belvedere; bis 17.2.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige