Neu im Kino

Leguan füttern nicht vergessen! "In film nist“

Lexikon | Joachim Schätz | aus FALTER 46/12 vom 14.11.2012

Das ist kein Film: Am 1. März 2010 wurde der regimekritische Filmemacher Jafar Panahi in seinem Haus von der iranischen Polizei festgenommen. Es folgten drei Monate im Gefängnis und ein nach wie vor anhängiger Prozess wegen Absicht zur antistaatlichen Propaganda und Gefährdung der nationalen Sicherheit. Bis auf Weiteres gilt für Panahi das erstinstanzlich eingesetzte Ausreise-, Interview- und Berufsverbot.

Um dagegen nicht zu verstoßen, ist sein im Frühjahr 2011 entstandenes Video "This is not a film“ nicht nur erklärtermaßen kein Film, sondern auch kein Panahi-Film. Hinter der Kamera steht meist Kollege Mojtaba Mirtahmasb und zeichnet Panahis suspendierten Alltag zwischen Anwaltstelefonaten und Hausarbeit auf: Den Leguan füttern nicht vergessen! Dazwischen kommentiert der blockierte Regisseur Ausschnitte aus früheren Arbeiten und spielt am Wohnzimmerteppich Szenen aus seinem verhinderten jüngsten Drehbuch vor. Darin wird eine junge Frau von den Eltern in ihr Zimmer gesperrt, um zu verhindern, dass sie sich auf der Uni anmeldet.

Die Parallele zu Panahi ist unübersehbar. Die Leistung dieses Nicht-Films besteht aber gerade darin, die Eindeutigkeit solcher zerknirschten Selbstdarstellung permanent zu unterwandern. This is not a Problemfilm. Stattdessen geht hier eine listige, durchaus absurdhumorige Übung in Sachen Filmemachen ihren Gang, die Panahis neorealistische Ästhetik neu bündelt: Drauflosfilmen und formale Verdichtung, Aus-der-Rolle-Fallen und Verspieltheit schieben sich immer ununterscheidbarer ineinander. Das kulminiert in einer verblüffenden letzten Viertelstunde, in der Panahi, die Kamera in der Hand, seinen Spielraum gleichzeitig ausmisst und dehnt. Der nächste Film, heißt es, ist schon fertiggestellt.

Ab Fr im Filmhauskino (OmU)


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