Multiverse von Theater t‘eig oder Michael J. Fox im falschen Film

Lexikon | Kritik: Hermann Götz | aus FALTER 46/12 vom 14.11.2012

Wozu könnte man eine Zeitreise benutzen? Sagen wir: um richtig reich zu werden. Die Idee hatte jeder schon mal. Zum Beispiel in der Kunstgeschichtevorlesung, als der Professor erzählt hat, dass Agnes Dürer die meisten Holzstiche ihres Mannes am Markt verkauft hat, zwischen Fisch und Gemüse. Aber man muss ja nicht unbedingt auf Künstler setzen, es funktioniert auch mit Sportwetten. Zumindest wenn man ein Nachschlagewerk aus der Zukunft besitzt, wo alle Ergebnisse bereits verzeichnet sind. Das kommt Ihnen bekannt vor? Dann gehören Sie sicher einer Generation an, die beim Namen Michael J. Fox als Erstes an ein Skateboard denkt. Was Sie aber nicht wissen, ist, dass das Drehbuch zum 1980er-Filmklassiker "Zurück in die Zukunft“ eigentlich nicht von Bob Gale stammt, sondern von Christian Ruck und Thomas Sobotka, denen Gale das Stück auf einem Trip in die Vergangenheit abgeluchst hat. Seitdem leben sie "Plan B“: als unterdotierte Theatermacher bei t’eig und freuen sich, wenn sie abends auf ein Bier gehen können, weil Karin Gschiel vom Babysitter heimzitiert wird. Das könnte auch der Grund dafür sein, dass Gschiel bei der aktuellen t’eig-Produktion "Multiverse“ vor allem Regieanweisungen zitiert, während Regisseur Sobotka sich erstmals auch als Darsteller versucht. Sagen wir so: Gschiel ist wirklich gut. Also nicht leicht zu ersetzen. Aber wir sehen eben Plan B. Oder besser: die Realitätslinie A’. Und Theater t’eig hat aus seiner Michael-J.-Fox- oder Steven-Spielberg-Hommage eine Komödie gestrickt, die trotz genialischer Konstruktion das kleine ABC der guten Unterhaltung bedient. Und zwar bestens. F Dom im Berg, Graz, Do 20.00 (bis 23.11.)


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