Nachrichten aus dem Inneren

Falter & Meinung | aus FALTER 47/12 vom 21.11.2012

Die Redaktion erklärt sich selbst

Sichtlich von seiner Erkältung gezeichnet, aber genauso unübersehbar glücklich betrat Matthias Dusini die Suite des Feuilletonredakteurs, nestelte ein blasses Teil aus seinem Plastiksackerl und verkündete stolz: "Ich habe es!“ Die Frage "Was denn?“ wird beantwortet, ehe man sie stellen kann. Am Montag dann das gleiche Bild oder besser: der nämliche Vorgang und die gleiche Antwort auf eine ungestellt gebliebene Frage. Das Teil, das sich Christopher Wurmdobler über den Leib stülpte, war deutlich dünkler und voluminöser als Dusinis süßes Nichts, aber gleichen Ursprungs: "Margiela für H&M - falls du fragst.“

Nein, man braucht nicht zu fragen, wer vorne mit dabei ist, wenn eine schwedische Bekleidungskette mit dem belgischen Modekonzeptualisten zusammenarbeitet. Die Männer der Politikredaktion sind es eher nicht - die haben sich schon zu Saisonbeginn bei Texhages und Tlapa mit schiefergrauen Wollpullis und beigen Breitcordhosen eingedeckt. Aber die schauen ja auch immer Youtube-Videos von besoffenen, radfahrenden Katzen, wohingegen Dusini und Wurmdobler durch ihre Hipsterbrillen den Onlineauktionskatalog des Dorotheums studieren. Dusini spitzt auf eine Zeichnung von Sol Lewitt, Wurmdobler betrachtet interessiert eine pornografische Häkelarbeit und der inzwischen hinzugekommene Tex Rubinowitz studiert die Rufpreise von Erwin Wurm. "William de Kooning Erased by Robert Rauschenberg“ ist ein Klassiker der Kunstgeschichte. "Erwin Wurm Blown to Pieces by Tex Rubinowitz“ könnte einer werden. Hat jemand zufällig 90.000 Euro flüssig? KLAUS NÜCHTERN


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