Seinesgleichen geschieht  Der Kommentar des Chefredakteurs

Demokratieverdrossenheit ist keine österreichische Spezialität

Falter & Meinung | Armin Thurnher | aus FALTER 47/12 vom 21.11.2012

Manchmal schreibe ich Sätze, für die ich mich früher verachtet hätte. Es steht schlecht um die Demokratie! Was hätte ich gelacht, wenn mich vor vierzig Jahren von Kanzel, Podium oder Leitartikel so ein Satz erreicht hätte. Meine Antwort hätte gelautet: Ihr seid das Problem, wir sind die Lösung!

Heute beobachte ich mich, wie ich mich in sinowatzesken Erwägungen verliere (Fred Sinowatz hieß jener österreichische Unterrichtsminister und Bundeskanzler, der für den Spruch bekannt blieb, alles sei sehr kompliziert). Und kein frisches "wir“ in Sicht, das sich für die Lösung hält. Nur ein Wald voller Probleme, in den wir uns immer tiefer verirren, und ein Wahljahr, vor dem uns graut.

Ja, es steht schlecht um die Demokratie, zwischen Klagenfurt und Brüssel verhöhnt sie sich selber, und keiner will das mehr so genau wissen. Die Justiz kann auch nicht alles richten. Man kann gewiss die österreichische Öffentlichkeit als selbstreferenzielles Kasperltheater abtun und ihre Akteure


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