Meinesgleichen Interviews autorisieren? Journalismus als Gefahr in Gefahr

Falter & Meinung | aus FALTER 47/12 vom 21.11.2012

Ernsthafte Medien in den USA, also die New York Times, gaben vor kurzem bekannt, dass sie ab sofort Interviews nicht mehr autorisieren lassen. Diese würden so gedruckt, wie sie geführt wurden, und nicht mehr post festum von Interviewpartnern (Politikern und Stars bzw. deren Büros) umformuliert, hieß es. In Zukunft werden Menschen, die sich von der NYT interviewen lassen, sich also mit diesen Spielregeln einverstanden erklären müssen. Hierzulande versuchte Frank Stronach den Spieß umzudrehen und legte, wie das Magazin Datum und die Internetplattform Carta aufdeckten, interviewenden Medien ein Formular vor, in dem sich diese verpflichten sollten, nicht nur das Gespräch, sondern dessen Titel und Vorspann vorzulegen. Falls keine Autorisierung stattfände, müsste sich das Medium dazu verpflichten, die Tatsache des Interviews ganz zu verschweigen.

Ein öffentlicher Aufschrei - "Pressefreiheit!!!“ - brachte das Team Stronach dazu, sein Papierl zu modifizieren. Journalistenorganisationen riefen dennoch dazu auf, Stronach nicht zu interviewen. Ein brisantes Thema. Niemand wird glauben, Interviews würden so gedruckt, wie sie stattfanden. Interviews sind keine Kunst-, aber eine Gewerbeform, Journalisten transkribieren und formulieren sie nach ihrem Belieben um. Da ist es nur fair, wenn der Interviewte noch Gelegenheit bekommt zu prüfen, ob seine Worte noch die seinen sind. Damit hat sich’s aber schon. Wer sich in den Journalismus begibt, muss sehen, wo er bleibt. F


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