Gelesen Bücher, kurz besprochen

Der dornige Weg nach Europa

Politik | aus FALTER 47/12 vom 21.11.2012

Wächst Europa durch die Krise enger zusammen oder zersplittert es? Um diese Frage zu klären, fluten Europaskeptiker, Wirtschaftsweise und Utopisten den Buchmarkt. Inmitten von unklaren bis düsteren Zukunftsszenarien hat der deutsche Historiker Andreas Wirsching ein kluges Buch geschrieben. In "Der Preis der Freiheit“ zieht der Direktor des Münchner Instituts für Zeitgeschichte feine historische Linien durch das Europa der letzten 20 Jahre. Ein mutiges, aber gelungenes Vorhaben.

Es ist beeindruckend, wie Wirsching die Komplexität der politischen, gesellschaftlichen und ökonomischen Entwicklung des Kontinents nach 1989 aufbereitet, ohne dass er dabei seine Leser mit Daten und Fakten erschlägt. Neben der Suche nach der europäischen "Identität“ beschreibt der Autor, wie der Kontinent vom Freiheitsgewinn und der Globalisierung profitiert, gleichzeitig aber unter der steigenden sozialen Ungleichheit leidet.

Wirsching betont, dass die Angleichung Europas nicht ohne Bürokratie zu haben sei, Bewegungsspielräume nicht ohne Reglementierungen und die gewonnene Freiheit nicht ohne neues Risiko. Denn: "Die Krise Europas besteht in seinem Zusammenwachsen.“ Sebastian huber

Andreas Wirsching: Der Preis der Freiheit. Beck, 487 S., € 22,20


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