Enthusiasmuskolumne  Diesmal: der beste Chorgesang der Welt der Woche

Auf großer Fahrt mit dem Stimmgewitter

Feuilleton | aus FALTER 47/12 vom 21.11.2012

Aber ist das auch wirklich gut?“, lautet für gewöhnlich die zweifelnde Frage, wenn es um das Stimmgewitter Augustin gut. Die Antwort ist einfach. Erstens: Gut ist relativ. Und zweitens: Ja, es ist gut!

Das Stimmgewitter Augustin ist ein Chor, der im Jahr 2000 im Umfeld der Wiener Straßenzeitung Augustin entstanden ist. Romantik und Revolte oder auch Schlager und Arbeiterkampflied, das ist seit je her die inhaltliche Ausrichtung. Und nein, das Stimmgewitter ist kein Gesangswunder, das die Welt bei einer Castingshow-Teilnahme in Erstaunen versetzen würde. Aber ja, dieser etwas andere Gesangsverein hat Leidenschaft und Charakter. Und die richtigen Lieder, die ansprechend unkonventionell in Szene gesetzt werden.

Das soeben auf CD und Vinyl erschienene dritte Album "Übers Meer“ drückt die Sehnsucht nach der Ferne aus, in alten (Lolitas "Seemann, lass das Träumen“) und neueren Schlagern (Nenas "Leuchtturm“), aber auch in Entlegenerem, das an den Rändern der Popmusik aufgelesen wurde: Malarias New-Wave-Klassiker "Kaltes Klares Wasser“ etwa oder "Wenn ich ein Turnschuh wär“ von den Hamburger Politpunkavantgardisten Die Goldenen Zitronen.

Die Musik zu den Neuinterpretationen steuern verdienstvolle Kräfte der österreichischen und deutschen Popszene bei. Die Sterne lassen "Wir lagen vor Madagaskar“ entspannt grooven, Ja, Panik erschließen sich mit der "Seeräuber Jenny“ neues künstlerisches Terrain und Thomas Pronai von Bo Candy & His Broken Hearts lädt das Stimmgewitter im Titelstück, einer Komposition des großen Rio Reiser, zum Kuscheln ein.

Erhältlich ist "Übers Meer“ beim Augustin-Dealer Ihres Vertrauens - oder bei der Livepräsentation am 22. November ab 21 Uhr im Chelsea.

gerhard stöger


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