Fragen Sie Frau Andrea

Geheimnisse in der Schweizerjacke

Kolumnen | aus FALTER 47/12 vom 21.11.2012

Liebe Frau Andrea,

ich besitze für meine Winterwanderungen eine schwarze Daunenjacke der Schweizer Firma Mammut, die als Bergsportausrüster einen sehr guten Ruf hat. Diese Jacke hat eine Innentasche mit Reißverschluss und da drauf ist ein kleines Fach genäht mit einem Klebeverschluss und der Aufschrift "Save your secrets!“. Ich frage mich schon lange, was sich die Schweizer gedacht haben, was ich da deponieren sollte. Meine Adresse, meine Schlüssel? Für ein Taschenmesser ist das Fach zu kurz. Was meinen Sie?

Ihre ratlose Rosmarie Moser,

Innsbruck-Pradl, per Brief

Liebe Rosmarie,

die Schweizerinnen und Schweizer, im Laufe dieser Erörterung die Schweizenden genannt, sind bekannt für Diskretion. Wo man hinsieht, haben sie Kompartments für Geheimnisse eingebaut. Ihre Berge sind durchlöchert, ebenso ihr Käse. Unter ihren Chalets befinden sich komfortable Bunker, die Banken sind in unerreichtem Ausmaß mit Schließfächern, Tresoren, Geheimschließfächern und Geheimtresoren unterkellert.

Konsequenterweise dehnen die Schweizenden die arkane Verstausucht auch auf Alltagsgegenstände aus. Im Rahmen ihrer Verbergekunst haben sie etwa das Taschenmesser erfunden, ein Gerät, dass sich nicht nur in der Hosentasche oder in der Handtasche verstecken lässt, sondern auch noch in sich selbst. Die Schweizenden leiden allerdings auch am Markierwahn, was bedeutet, dass jedes Geheimfach mit einer Aufschrift oder dem Schweizerkreuz bezeichnet ist.

So darf es nicht verwundern, dass Schweizerjacken ebenfalls mit beschrifteten Geheimfächern versehen sind. Den Fantasien, was man in einem markierten Geheimfach unterbringen kann, sind nur technische Grenzen gesetzt. An Name und Adresse bzw. Tarnname und Tarnadresse ist im Falle von Einsätzen im James-Bond-Milieu immer zu denken. Auch der Schließfachschlüssel und der USB-Stick mit den lebenswichtigen Unterlagen oder die aktuelle Medikation, ja vielleicht sogar Marihuana, Kokain, Heroin oder LSD fände gewiss willkommenen Platz im Secret-Versteck. Tatsächlich hat die Firma Mammut, wie unsere Nachforschungen ergeben haben, das kleine Fach "Save your secrets“ für einen profanen Zweck vorgesehen: Es dient der Unterbringung von Damenhygieneartikeln. F


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