Menschen

Lasst es raus!

Falters Zoo | aus FALTER 47/12 vom 21.11.2012

Outletcenter. Menschen, die dieses Wort mit einem gewissen abschätzigen Unterton in der Stimme aussprechen, sollten jetzt einmal ganz genau herlesen. In Parndorf nämlich, einem burgenländischen Dörflein, das man eigentlich nur wegen des dortigen McArthurGlen-Designer-Outlets kennt, schaut auch manchmal hoher Besuch vorbei. Also Leute, die wegen irgendwas einen berühmten Namen tragen. Meist ist dafür nicht der nahe Neusiedler See oder Störchegeklapper verantwortlich, sondern das Outletcenter. Jetzt schon wieder. In Parndorf eröffnete nämlich ein Ö-Design-Aufpoppgeschäft namens "Ordinary House“. Das ist in der Tat ein ganz normales Haus (ausgedacht haben sich das übrigens die Designer von Breaded Escalope), und zur Eröffnung ließ man Topmodel Andrej Pejic einfliegen. Der junge Herr aus Serbien ist derart androgyn, dass ihn das Magazin FHM vergangenes Jahr unter die "100 sexiest women“ der Welt reihte. Pejic blieb mit Freund und Designer Rembrandt Duran gleich zwei Tage in Wien, ließ sich für zwei Frauenmagazine fotografieren und nächtigte im schicken Sofitel. So wie übrigens US-Akteur Sean Penn, der am Sonntag kurz vorbeischaute, wie viel Geld der Wiener Teppichhändler Ali Rahimi für sein Haiti-Hilfsprojekt gesammelt hatte. 160.000 Dollar, Baby!

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Im Wiener Rathaus wurde unterdessen der "Preis der Menschlichkeit“ verliehen. Unter anderem an Christa Urbanek, ihres Zeichens Kleinkunst-Original. Wieso? Weil sich Frau Urbanek mit sogenannten "Weihnachtsspäschls“ für Obdachlose engagiert und Reinerlöse - auch die der Geschenke-Tausch-Aktion "Nachweihnachtliche Bescherung“ - der Notschlafstelle Vinzi-Rast zugute kommen. Ausgezeichnet hat die Sozialstadträtin auch noch Lions-Club-Löwe Günther Triembacher sowie das engagierte Ehepaar Dorothea und Kurt Zwettler.

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Noch mehr Gutbürger: Ungefähr halb Österreich war vergangenen Freitag bei der 30-Jahr-Feier von Global 2000 im Wuk. Zum Beispiel der schwarze Umweltminister Nikolaus Berlakovich oder der rote Medienstaatssekretär Josef Ostermayer. Allerdings nicht anzutreffen war eine Dame, die auf der Bühne stehen sollte: Sängerin Daniela Riedl, besser bekannt als Makki, von der großartigen Band Binder & Krieglstein war irgendwo verschwunden. Und so mussten die Moderatoren Diana Lueger und Stuart Freeman sehr, sehr lange den Pausenclown spielen, angeblich hat Herr Freeman sogar live on stage gerappt. Das nennt man Aufopferung. Warum Madame Makki zu spät kam, wissen wir auch nicht. Wir vermuten allerdings, dass sie eine Runde mit dem Porzellanbus gefahren ist. Schließlich lautete das Motto der Geburtstagsfeier: "Dass es Global 2000 nach wie vor gibt, ist zum Speiben.“ Nur ganz so wörtlich haben es die Veranstalter vermutlich nicht gemeint …

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Einiges hat sich getan, seit die britischen Jungs von Muse ihren ersten Wien-Auftritt als Vorband von Placebo hatten, damals geplant im Flex! Jetzt bringen sie in die ausverkaufte Wiener Stadthalle jede Menge Leuchtkram, Lasershow und eine für drei Musiker ziemlich umfangreiche Bühne mit. Und zudem wie gehabt und geliebt: viel Pathos und Falsett. Zu "Undisclosed Desires“ absolviert Ober-Muse Matt Bellamy eine ausgiebige Handschüttelrunde mit den Fans, bis sich schließlich eine monströse Monitorpyramide über die Band senkt, meterhohe Nebelsäulen explodieren und die pompöse Liveshow beendet ist. Gute Unterhaltung für die vielen: Lasst es raus!

ingrid brodnig

karin wasner

christopher wurmdobler

E-Mail an den Zoo: zoo@falter.at


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