Tiere

Lieblinge

Falters Zoo | aus FALTER 47/12 vom 21.11.2012

Leserbriefe bestehen im Allgemeinen aus 85 Prozent Beschwerden, zehn Prozent Abbestellungen eines Abos, das es nicht gibt, und fünf Prozent Schulterklopfern. Letztere werden redaktionsintern automatisch der Kategorie "selbstgeschrieben“ zugeordnet und als eitler Tand entsorgt. Normalerweise.

Aber die Rückmeldungen auf meine Frage nach den Lieblingstieren der Leserschaft lassen mich wie ein Teenie-Popstar knöcheltief in Leserbriefen waten (falls diese Metapher in Zeiten von E-Mails noch passend ist). Mit den Zuschriften fülle ich locker alle Kolumnen bis Weihnachten (2014!). Und dank der feinziselierten Begründungen des gutgebildeten Leservolks muss ich nicht groß recherchieren, sondern ich kann mich auf ornamentale Text-Umrankungen beschränken. So soll’s sein, leicht verdientes Kolumnistengeld!

Wie Nina Hagen möchte ich angesichts der eingelangten Vorschläge ausrufen: "Es ist alles so schön bunt hier, ich kann mich gar nicht entscheiden!“ Säugetiere dominieren erwartungsgemäß das Feld, wobei aber Beutel-, Kloaken- und Nebengelenktiere als systematische Untergruppen stark vertreten sind. Zwei Nominierungen interessanter Bakterien wurden in der Kategorie "Tiere ehrenhalber“ auch aufgenommen.

Bislang hat das Erdferkel (Orycteropus afer) die meisten Nennungen. Herr W. schreibt dazu: "(…) weil es von den Walen abstammt und so auf geschickte Art den japanischen Hochseehäschern entkommen ist. Und weil es irgendwie auch wie ein Känguru aussieht, das mal was mit einem Ameisenbären hatte. Die Berufsbezeichnung, Röhrenzähner‘ ist ja auch nicht unglamourös.“

Schöne Laudatio für ein wirklich rätselhaftes Tier. Aber - kleine Besserwisserei - mit keinem anderen lebenden Säugetier ist das Erdferkel näher verwandt. Molekulargenetiker spekulieren über einen auf dem Urkontinent Gondwana lebenden Vorfahren, aus dem Seekühe, Elefanten, Schliefer und eben auch die Erdferkel entstanden sein könnten. Nix Genaues weiß man aber nicht. Einzigartig sind auch seine Zähne, die aus säulenartigen Dentin-Prismen bestehen. Als Protagonist der 1970er-Zeichentrickserie "The Ant and the Aardvark“ (dt. "Die blaue Elise“) wurde das Erdferkel unpassend als Ameisenbär übersetzt. Doch mit diesem zahnarmen Tier teilt es sich nie das Bett, sondern nur die Vorliebe für Termiten. Voten für Lieblingstiere ist noch möglich. F

iwaniewicz@falter.at

zeichnung: püribauer.com


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