Kunst  Kritik

Einen "Spalt“ weit offen: queere Kunst der Akademie

Lexikon | aus FALTER 47/12 vom 21.11.2012

Queerness ist das Thema der Ausstellung "Rosa Arbeit auf goldener Straße“. Der Titel bezieht sich auf einen (fast) gleichnamigen Film von Rosa von Praunheim aus dem Jahr 1968, der in der Schau zu sehen ist. "Rosa Arbeiter auf goldener Straße“ erzählt die Geschichte einer Ostberlinerin, die im Westen einen schwulen Schauspieler heiratet. Die Schau will keine schwule und lesbische Gruppenschau sein, sondern - mit dem Begriff der "queeren Abstraktion“ - von allen Geschlechterstereotypen loskommen, auch den homosexuellen. Die übergeschlechtlichen Symbole Anus und Dildo kommen daher öfter vor.

Toni Schmale zeigt einen überdimensionierten Stöpsel aus Beton, den man als Karikatur eines Sexspielzeugs interpretieren könnte. Hans Scheirl legt einen riesigen rosa Darm in den Raum, an dessen Ende goldene Batzen ausgeschieden werden. Im Darm selber sind Materialien (Storyboards, Requisiten) zu Scheirls Film "Dandy Dust“ zu sehen, einem Klassiker des queer-futuristischen Kinos.

Wie aber soll man die Unmöglichkeit bewältigen, Geschlechter darzustellen, ohne Schwänze und Vaginas zu zeigen? Ein ironische Antwort darauf ist Stefanie Seibolds minimalistische Eckskulptur, die man mit etwas Fantasie als weibliches Genital interpretieren kann.

Ulrike Müller dekorierte Emailplatten mit geschwungenen Linien, grafischen Zitaten von Brüsten und Schenkeln. Die amerikanische Künstlerin Kaucyila Brooke zeigt einige Fotografien aus einer Serie von Landschaften. Sie stellen Wasserfälle dar, die mit langer Belichtungszeit fotografiert wurden. So entstanden schlitzartige Öffnungen, die ebenfalls irgendwie weiblich sind. Am Ende der Ausstellung ist der Blick des Besuchers so gequeert, dass er sogar den Spalt der Saaltür für ein Kunstwerk hält. MD

Akademie der bild. Künste, xhibit; bis 3.2.


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