Der "Liebestrank“ ist bloß Placebo — einzunehmen in der Grazer Oper

Steiermark | Kritik: Herbert Schranz | aus FALTER 47/12 vom 21.11.2012

In "L’elisir d’amore“ ("Der Liebestrank“, 1832), eine Opera buffa von Gaetano Donizetti, werden auch Tristan und Isolde erwähnt. Ihre Legende spielt an Küsten, insofern ist es schlüssig, wenn der venezianische Regisseur Damiano Michieletto seine Koproduktion mit dem Palau de les Arts Valencia und dem Teatro Real Madrid an einen heutigen Badestrand verlegt, an dem der Held Nemorino (Antonio Poli) Bademeister ist.

Eine niedrige Stellung, die Poli aber durch viel Wärme und einnehmende Sympathie adelt. Seine Angebetete Adina (Margareta Klobuèar) führt die Strandbar und gefällt sich darin, mit ihm zu spielen und sich vom schrecklich aufgeblasenen Sergeanten Belcore (Andrè Schuen) und anderen den Hof machen zu lassen. Belcore drängt zur Heirat, doch da kommt Wilfried Zelinkas großer Auftritt als koksender Quacksalber Dulcamara mit der vollen Maschinerie modernen Marketings: Sein Liebestrank ist ein Powerdrink, rotperückige Werbegirls leisten ganze Arbeit. Brillante tänzerische Bewegung kommt ins Spiel, wobei die Grazer Philharmoniker unter José Miguel Esandi noch etwas mehr elegante Leichtigkeit hätten zelebrieren können; dem Damenchor der Oper gelang das überzeugend. Der "Liebestrank“, obwohl Placebo, lässt Nemorino wachsen, zum Hahn im Korb werden, Adina Eifersucht und Demut fühlen, es kommt zum glücklichen Ende der komischen Oper; nicht ohne vorher, betont durch Michielettos stimmig aktualisierende Inszenierung im knalligen Bühnenbild von Paolo Fantin, maliziöse Blicke auf die Oberflächlichkeit des Liebeswerbens gewährt zu haben. Die Hauptfiguren, sie spielten und sangen hervorragend.


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