Vor 20 Jahren im Falter Wie wir wurden, was wir waren

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Falter & Meinung | aus FALTER 48/12 vom 28.11.2012

Es gibt Falter-Ausgaben, die möchte man schnell vergessen, und es gibt welche, die merkt man sich, ob man will oder nicht. Und dann gibt es Ausgabe 48, die einen unentschieden zurücklässt. Nicht dass es an Gutem fehlte. Die Flüchtlingspolitik im Lande, unter dem Einfluss der publizistischen und politischen Rechten schon damals schandbar, wurde kräftig angegriffen. Martin Staudinger fragte Manfred Matzka, den Flüchtlingsbeauftragten im Innenministerium, und Wolfgang Aigner, Chef von Amnesty International Österreich, um ihre Einschätzung. Matzka fand alles nicht so schlimm, Aigner schon.

In der Psychiatrie ging es zwischen Ärzten und Patientenanwälten rund. Bernhard Odehnal berichtete über Querelen aufgrund des Unterbringungsgesetzes, die auf dem Rücken der Patienten ausgetragen wurden. Die Grünen debattierten den EG-Beitritt, Peter Pelinka lobte ihre differenzierte "Haltung“, die er auch EG-Kritiker Johannes Voggenhuber zugutehielt.

In Wien nahm ein neuer Sender den Betrieb auf, Radio Wien. Von Privatradio war noch lange keine Rede, also konnte es sich nur um ein ORF-Radio handeln. Dessen Intendant Gerhard Weis wurde von Thomas Seifert befragt.

Klaus Nüchtern interviewte den englischen Regisseur Terence Davies, und in einem seiner Anfälle von brachialem Enthusiasmus porträtierte er auch den Klarinettisten Don Byron ("Dieser Mann und diese Musik fahren wie die Sau“).

Hinten im Blatt fand sich eine Rede von Franz Schuh, die dieser hielt, als das Buch "Schwarze Zwerge“, das erste des Chronisten, im Presseclub Concordia präsentiert wurde. Schuh sagte: "… ich halte das nicht mehr aus; ich halte Apperzeptionsverweigerung für die dem österreichischen Journalismus angemessene Kritik, also: überhaupt nichts davon lesen, die Stimme am Kiosk niemals abgeben. Es herrscht in diesen Blättern ein merkwürdiges, nicht zu sättigendes, alles fressendes Ressentiment, eine Gier nach Triumph, nach Sieg Heil - eine Stimmung jedenfalls, mit der ich nicht in Berührung kommen will.“ AT


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