Kommentar Asylwerber-Protest

Wenn der Votivpark ein besseres Quartier ist als Traiskirchen

Falter & Meinung | Nina Horaczek | aus FALTER 48/12 vom 28.11.2012

Es ist ein ungewohntes Bild: Da sitzt eine Handvoll Asylwerber aus dem Lager Traiskirchen in einem Zelt im Votivpark, liest aus der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte vor und fordert ihre Rechte ein: auf Asyl, auf menschenwürdige Unterbringung, auf Bildung, auf Arbeit.

Der Protest ist verständlich, liegt doch im österreichischen Asylwesen seit Jahren einiges im Argen. Zwar ist das österreichische System nicht so schlecht wie das von Ländern wie etwa Ungarn oder Griechenland.

Trotzdem werden auch hier Menschen in jahrelangen Asylverfahren zum Nichtstun gezwungen, Jugendlichen wird jede Chance auf Bildung verwehrt. Momentan sind es vor allem die Landeshauptleute, die Schutzsuchende wie heiße Kartoffeln behandeln, statt ausreichend Unterkünfte für sie bereit zu stellen.

So verständlich der Protest in vielen Punkten ist und so begrüßenswert es auch ist, dass Asylwerber nicht - wie sonst zu oft - als arme Opfer präsentiert werden, sondern selbstbewusst ihren eigenen Protest auf die Beine stellen, so fraglich sind die Auswirkungen dieser Aktion.

Während die Grünen die Asylwerber unterstützten und SPÖ und ÖVP so taten, als wären sie bei diesem Thema nicht vorhanden, nützte FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache diese Chance und fuhr persönlich zu einem Lokalaugenschein ins Lager Traiskirchen.

Natürlich nicht, um den Asylwerbern zu helfen. Sondern, um der angeblich "leidgeplagten Bevölkerung von Traiskirchen“ die Unterstützung durch seine Partei anzubieten. Und um so auch gleich ein Thema für das Wahljahr 2013 zu setzen. Denn mit Polemik gegen Asylwerber lassen sich in Österreich immer gut Wahlen gewinnen. F


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