"Die volle Wahrheit“

Politik | Gerichtsbericht: Florian Klenk | aus FALTER 48/12 vom 28.11.2012

Ernst Strasser inszeniert vor Gericht eine klägliche Geheimdienst-klamotte

Still sitzt der Angeklagte auf der Beschuldigtenbank im Blitzlichtgewitter. Er scheint irgendwie einsam, verloren, ein wenig verwirrt. Wie es ihm geht, fragt ein Servus-TV-Reporter. Ernst Strasser schweigt. Er spricht nur ein paar Worte in einer Verhandlungspause. Erklärt, dass die Sache mit dem Geheimdienst "die volle Wahrheit“ sei.

Ernst Strasser erlebt einen fairen, ruhigen Bestechungsprozess. Die existenzielle Gefahr, die ihm hier droht, wittert der angebliche Machtpolitiker nicht.

Er scheint nicht nur sein Unrechts-, sondern auch sein Gefahrenbewusstsein eingebüßt zu haben. Es geht ihm wie vielen Mächtigen, die sich jahrelang nur mit Jasagern umgeben haben. Er wirkt irreal, kritiklos und unkorrigierbar, fast wie ein Borderliner. Das kann sich im Falle eines Schuldspruches erheblich auf das Strafmaß auswirken.

Es ist fast ein wenig unheimlich, einen einst mächtigen Mann in so einer misslichen Lage zu sehen.

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