Wie viel ist eine zerstörte Kindheit wert?

Politik | Benedikt Narodoslawsky | aus FALTER 48/12 vom 28.11.2012

Ein Knabe soll mehrfach misshandelt und vergewaltigt worden sein. Die Kirche entschädigt ihn, die Stadt Wien nicht

Das Erste, an das sich Werner Lesko erinnert, ist das Kinderheim Unterolberndorf im Weinviertel. Unter der weißen Oberlichte im Bad sei eine Wanne mit kaltem Wasser gestanden, erzählt er. Im Schlafsaal hätten die Klosterschwestern mit Taschenlampen ihre Runden gedreht, und wer nicht schlief, den hätten die Nonnen ins Bad geprügelt und ihn in die Wanne mit dem eiskalten Wasser gesetzt. Solange habe man dort ausharren müssen, bis man müde wurde.

Gewalt, sexueller Missbrauch, Zwangsarbeit - wenn Lesko von seiner Kindheit erzählt, hört es sich an wie ein nicht enden wollender Albtraum. Noch heute wache er schweißgebadet auf. Er träume nicht nur von prügelnden Nonnen. Auch vom Religionslehrer, der ihn mit Tabletten gefügig machte und ihn regelmäßig vergewaltigte. Vom Pflegevater, der den kleinen Buben so lange verdrosch, bis der Mann vom Zuschlagen so erschöpft war,


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