Gelesen Bücher, kurz besprochen

Was ist Demokratie?

Politik | aus FALTER 48/12 vom 28.11.2012

Ein Hochschulmagazin der Kommunistischen Partei Chinas brachte es jüngst ungewöhnlich offen auf den Punkt: "Die Essenz von Demokratie ist die Beschneidung von Regierungsmacht, und das ist der wichtigste Grund, warum China Demokratie braucht.“

Diese ungeschnörkelte Definition wirkt bei uns im Westen beinahe ungewöhnlich, weil das Wort Demokratie hier zur Floskel zu verkommen droht. Gerade weil sich in Europa so gut wie niemand mehr offen gegen die Demokratie positioniert, wirkt der Begriff zunehmend wie eine ausgehöhlte Phrase.

Das Buch "Was ist Demokratie?“ des Historikers Paul Nolte zeigt, wie sich das Verständnis darüber, was Demokratie ist, im Lauf der Geschichte verändert hat. Der Autor liefert einen brauchbaren Überblick über die vielen historischen Erscheinungsformen der Demokratie und über ihre jeweiligen Stärken und Schwächen.

Das Werk zeigt auch: Das undefinierte Selbstverständnis der Demokratie in ihrer heutigen Form hat dazu geführt, dass sich Konfusion und viele berechtigte Anlässe zur Sorge nicht mehr leugnen lassen.

Einen Kritikpunkt an Noltes wichtigem Wälzer gibt es auch: Eine kompaktere Zusammenfassung des umfangreichen Materials wäre dem 500-Seiten-Buch gut angestanden. Hoffentlich wird sie in einer kommenden Auflage nachgeliefert.

Philip Hautmann

Paul Nolte: Was ist Demokratie? Geschichte und Gegenwart. Beck, 512 S., € 14,20


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige