Enthusiasmuskolumne Diesmal: die beste Schallplatten-Beigabe der Welt der Woche

Von Sarg zu Sarg mit Johann Sergej

Feuilleton | aus FALTER 48/12 vom 28.11.2012

Die Klangqualität ist unerreicht, sagen die Hi-Fi-Freaks. Die spielt noch, wenn alle digitalen Speichermedien längst Sondermüll sind, sagen die Vorsichtigen. Das Coverartwork ist so viel kunstvoller, sagen die Ästheten. Von den hübschen Beilagen aber spricht kaum jemand, wenn es um die Vorzüge der Schallplatte geht - von den Postern, den Textblättern und den Spielen.

Den Spielen? Okay, wirklich durchgesetzt hat sich das Spiel zur Schallplatte nie, aber wer einmal "Public Flipper Limited“, die 1986 erschienene Live-Doppel-LP der US-Punkband Flipper, gehört und sich dazu womöglich nicht ganz nüchtern auf das mitgelieferte Flipper-Tourspiel eingelassen hat, weiß: Schallplatte mit Spiel-Beigabe - super Sache!

Das Flipper-Album ist längst eine gesuchte Rarität, "Drivin’ Nails in My Coffin“, das im Eigenverlag veröffentlichte Debüt der Wiener Band Johann Sergej hingegen ist ganz neu, also mehr oder weniger problemlos erhältlich (Kontakt: klaus@schwimmer.at).

Johann Sergej spielen traditionelle Bluegrassmusik mit Banjo und Geige, Gitarre und Kontrabass, Charme und Schmäh; einige eigene Songs kombinieren sie mit allerlei US-Liedgut, das unter anderem von der Countryikone Hank Williams stammt.

Man soll Johann Sergej aber nicht nur hören: Der Schallplatte liegt das "Johann Sergej Spiel“ samt Sargbastelbogen bei, eine morbide Variation von "Mensch ärgere Dich nicht“, bei der geschlagene Figuren in eben diesen Särgen verschwinden und mit Würfelglück wieder befreit werden können. Das "Johann Sergej Spiel“ dauert ungefähr so lange wie die Platte, funktioniert bereits zu zweit, macht zu viert am meisten Spaß - und ist im Unterschied zum Flipper-Tourspiel auch für Kinder bestens geeignet.

gerhard stöger


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