Nüchtern betrachtet

Mein neues Vorbild heißt George Christopher

Feuilleton | aus FALTER 48/12 vom 28.11.2012

Früher brauchte man mal Vorbilder, später dann gab’s role models. In meiner Generation konnte man sich zum Beispiel zwischen Old Shatterhand, Old Surehand und Old Firehand entscheiden. Auch Athos, Porthos und Aramis wären eine Option gewesen, bloß dass alle d’Artagnan sein wollten. Dass ich irgendwann einmal einen Zusammenhang zwischen der schriftlichen Fixierung des Namens d’Artagnan und dem oft gehörten Ausruf "I bin da Dattanjoh!“ herzustellen vermochte und damit eine erste Einsicht in die Inkongruenz von Graphem und Phonem gewann, stellt wohl die erste linguistische Erkenntnis meines Lebens dar.

In der TV-Serie "Ufo“ wäre ich Colonel Paul Foster, bei "Daktari“ Jack Dane gewesen. Wenn einem das Schicksal eines Trekkies oder Elvis-Imitators erspart und man auch sonst psychiatrisch einigermaßen unauffällig bleibt, findet man so was mit der Zeit aber kindisch und traut sich zu, selber wer zu sein. So wie Edgar Wibeau, der Protagonist aus Ulrich Plenzdorfs "Neuen Leiden


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