Doris Knecht Selbstversuch

Das war’s mit dem Na-na-na-Wochenende

Kolumnen | aus FALTER 48/12 vom 28.11.2012

Gerade als man dachte, man habe schon vergessen, wie grauenhaft, schrecklich und erwachsenenverachtend Bogi-Parks sind, werden die Mimis auf ein Geburtstagsfest in einen Bogi-Park eingeladen. Bogi-Park = gigantischer Indoorspielplatz = Hölle. Kinder im Allgemeinen und die Mimis im Speziellen finden die Bogi-Park-Einladung natürlich fantastisch, zumal ihre Eltern ihnen Bogi-Park-Besuche schon verweigert haben, als sie noch im Bogi-Park-Alter waren, was sie jetzt, wie ich entgegen ihren Ansichten und denen anderer finde, längst nicht mehr sind.

Der Lange fährt die Mimis also am Nachmittag in den Bogi-Park, und ich fahre am Abend, wie das nach Bogi-Park-Nachmittagen so üblich ist, mit einem Mimi ins AKH, um dort mit anderen Bogi-Park-Geschädigten in der Unfallambulanz zu sitzen. Irgendein Kind ist meinem Kind mit einem Trottelgokart in die Hacken gefahren, und anstatt dann anzuhalten und zu schauen, was mit dem schreienden Kind vor seinem Gokart los ist, hat das Trottelkind so lange Gas gegeben, bis das Mimi samt seinen nun funktionsuntüchtigen Füßen aus seiner Trottelbahn geschoben war. (Hätte es seine 130-Euro-Docs angehabt, wäre das nicht passiert, aber nein: Sockenpflicht.)

Ein zufällig mit seinen Kindern anwesender Rettungsarzt hat sich sehr nett um das Mimi gekümmert und weitgehend Entwarnung gegeben, aber trotzdem sicherheitshalber eine Kontrolluntersuchung in der Unfallambulanz empfohlen. Wo die Ambulanz-Aufnahme-Dame wissen wollte, ob ich eine Anzeige machen will, und nein, wollte ich natürlich nicht, aber ich will hiermit erklären, dass es auch unter Kindern echte Vollpfosten gibt. Und dass ich jetzt ein für alle Mal vergessen werde, was ein Bogi-Park ist. Es war dann glücklicherweise eh nichts, nur ein bissl Prellung und Schwellung. Und wir waren wieder draußen, bevor die ganzen samstäglichen Punsch-Unfälle geliefert wurden.

Das Ereignis warf auch unschön meine Pläne für ein Na-na-na-Wochenende über den Haufen: nichts arbeiten, nicht anziehen, nicht aufstehen, was die Mimis sehr begrüßen, weil das für sie dann auch gilt, inkl. TV. Na-na-na-Wochenenden sind allerdings böse Etikette-Fallen. Weil, was, wenn man zufällig gerade ein Übernachtungskind hat? Das Übernachtungskind erzählt dann daheim, dass die Mutter von den Mimis den ganzen Tag im fleckigen Pyjama herumläuft, also, wenn sie einmal nicht im Bett liegt und auf ihrem Computer Gewaltvideos schaut, man darf fernsehen, so viel man will, und zum Essen gibt es nichts als Suppe, Süßigkeiten und Machdirselberwas. Das ist bitte nicht immer so! Und ich habe dabei gestrickt! Aber die Eltern von dem Übernachtungskind erzählen das all ihren Freunden, und zack hat man einen Ruf. Na ja, den hatte ich eh schon, trotzdem. F

Eine Auswahl von Doris Knechts Falter- Kolumnen gibt es ab sofort in einem neuen Band: "Man kriegt so viel zurück!“ (rororo, 252 S., € 9,30); www.dorisknecht.com


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