Fragen Sie Frau Andrea

Die L-Geste: Hand an der Stirn

Kolumnen | aus FALTER 48/12 vom 28.11.2012

Liebe Frau Andrea,

ich bin eigentlich keine Schwachmatikerin, aber auf manchen steilen Straßenabschnitten Wiens komme ich ordentlich ins Keuchen. Neulich musste ich sogar absteigen. Just in diesem Moment fuhr an mir ein Sport-Bobo mit seinem Superrad vorbei. Scheinbar mühelos. Er grinste mich an und hielt die rechte Hand an die Stirne. Was wollte er mir damit sagen?

Ihre ratlose Bettina Mager,

Neubau, per E-Mail

Liebe Bettina,

die Stirne hat sich besonders unter Verkehrsteilnehmern als nonverbale Kommunikationsplattform für Direktinsulte etabliert. Auf der Hauptfassade des Gesichts wird der Vogel gezeigt und verschiedene Formen des Plemplem-Klopfens. Auch die face-palm, das Aufschlagen der geöffneten Hand auf Stirn und Gesicht, gehört zu diesem Zeichensystem. Bei abgespreizten Männerfingern ist immer an Hörner oder Penisse zu denken, und damit an machoide Virilitätsbezeugung.

Die von Ihnen beobachtete Geste hat aber auch alphabetischen Charakter. Der rechtwinkelig zum senkrechten Zeigefinger abgespreizte Daumen bedeutet den Buchstaben "L“. Als er noch nicht vom Veloziped-Thron gestürzt war, hätte man noch an Tour-de-France-Sieger "Lance“ Armstrong als Urheber der "L“-Geste denken wollen. Ganz falsch ist der Verdacht nicht, kommt doch das Stirn-L tatsächlich aus dem angelsächsischen Sprachraum. Dort steht es für loser, Verlierer. Aus Gründen der Lesbarkeit sollte das "L“ mit der rechten Hand ausgeführt werden.

Erstmals gesichtet wurde das "L“ in den Filmen "Ace Ventura: Pet Detective“ und "The Sandlot“. Große Verdienste um die Verbreitung des Verlierer-Buchstabens im Straßenverkehr machte sich allerdings ein Engländer: Jeremy Clarkson, provokant-schnoddriger Moderator der weltweit erfolgreichen britischen Benzinsendung "Top Gear“. Keine Sendung, in der ein Vergleich zwischen Automobilen oder den Fahrkünsten von Clarkson und seiner Mitmoderatoren Richard Hammond und James May nicht mit dem Loser-Handzeichen für den Verlierer beendet wurde.

Zurück zu Ihrer Begegnung mit dem Wiener Bobo-Armstrong. Als Abwehrgeste empfehle ich das internationale Zeichen "So groß ist dein Ventil“, ausgeführt ebenfalls mit Zeigefinger und Daumen. F


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