Tiere

Ganz lieb

Falters Zoo | aus FALTER 48/12 vom 28.11.2012

Wunderbare Welt der Leserzuschriften. Gefragt waren persönliche Lieblingstiere, und die Antworten sind feinsinnig verteilt zwischen Tierliebhabern und Tierbewunderern.

Die erste Gruppe der animal lovers schrieb ohne Umschweife oder nomenklatorische Verwirrungen über ihre geheimen Wünsche, selbst so frei zu sein und so zu leben wie ihre animalischen Lieblinge: "Mein Lieblingstier ist der Wombat, nachdem mir ein Australier glaubwürdig versichert hat, dass Wombats bei Gefahr ihre Höhleneingänge mit ihrem Hintern zupfropfen. Die Hintern sind so flach, dass Raubtiere wie Füchse mit ihren spitzen Schnauzen nicht zubeißen können. Das ist doch nur großartig! Endlich eine Würdigung von dicken Hintern und eine richtig tierische Form des passiven Widerstandes.“

Ich schließe mich dieser Apologie des wohlproportionierten Hinterteils gerne an. Aber weniger die Flachheit des Organs hilft beim Überleben, sondern seine dort besonders dicke, mit Knorpeln und Knochen verstärkte Haut. Bei Gefahr wehren sie damit die meisten Angreifer ab oder erdrücken diese sogar hinternrücks an der Decke ihrer Wohnhöhle. Bootylicious!

Schön waren auch die verdichteten Lebensgeschichten: "Eine kurze Hymne an mein Lieblingstier, die Warzenente. Jede von ihnen eine Persönlichkeit: Territorium verteidigen. Mobbing. Weiber-Rumgezicke. Ungeeignet als reine Nutztiere, weil Warzenentenhalter es nicht übers Herz bringen, sie zu schlachten.“

Die andere Gruppe waren Tier-Adoranten, die hinter den Zerrspiegelgeschichten von angeblich kuriosen, wilden oder schrägen Tieren ihre eigenen multiplen Persönlichkeiten wiederfinden. "Wenn es so etwas gäbe wie einen Bastard aus Wombat und Trottellumme, er wäre auf meiner Liste.

Sonst: der Takin, eine Art Resteverwertung Gottes, seltsam unproportioniert, halb Elch, halb Wombat, mit dicken, gepanzerten Füßen wie ein Nashorn, abschüssigem Rücken (Hangsteher) und einem gefährlich schlingernden Gang, so als könne er jeden Moment umkippen.

Auf Deutsch heißt der Takin hilflos Rindergämse oder Gnuziege, und das beschreibt die ganze Ratlosigkeit angesichts dieses Hybrids.“

Gut gebellt, denn auch wir stehen manchmal ratlos unseren eigenen gespaltenen Identitäten gegenüber, meint Ihr universaler, ministeryöser, geheimrätlicher, falterartiger Peter Iwaniewicz. F

iwaniewicz@falter.at

Zeichnung: püribauer.com


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