Theater Kritik

Rauchen mit und wie Michel Houellebecq

Lexikon | aus FALTER 48/12 vom 28.11.2012

"Karte und Gebiet“ in der Garage X

Alexander Simon als Houellebecq

Warum sich die Romane von Michel Houellebecq im Theater so großer Beliebtheit erfreuen, ist leicht erklärt: Einerseits werden darin auf provokante Weise interessante Themen verhandelt; andererseits sind sie nicht so kompliziert gebaut, dass sie die Mittel der Bühne überfordern würden. In der Garage X wird nun Houellebecqs jüngster Roman "Karte und Gebiet“ (2010) gespielt. Das Buch erzählt von der Begegnung zweier Künstler: Der Fotograf und Maler Jed Martin bittet einen Schriftsteller namens Michel Houellebecq, ein Katalogvorwort für ihn zu schreiben. Martin macht Karriere, Houellebecq aber wird - von zunächst unbekannten Tätern - bestialisch ermordet. Der Roman, der als Kunstbetriebssatire beginnt und als Krimi endet, kreist um die Frage, was die Kunst der Welt überhaupt noch zu sagen hat. Voilà - genau das fragt sich ja auch das Theater die ganze Zeit.

Ali M. Abdullahs Inszenierung hat den lässigen, unaufgeräumten Charakter vieler Garage-X-Produktionen. Die Bühne (Renato Uz) wirkt provisorisch, die Schauspieler (alle stark!) lungern entspannt herum, in einer Ecke schrammelt ein Gitarrist (Florian Kmet) vor sich hin. In diesem Theater würde es wahrscheinlich nicht unangenehm auffallen, wenn man sich im Zuschauerraum eine anrauchte. Eine der schönsten Szenen des Abends ist dann auch jene, in der Jed Martin (Dennis Cubic) und sein todkranker Vater (Horst Heiss) gemeinsam Zigaretten rauchen. Gaststar Alexander Simon (Thalia Theater) wiederum pafft nicht nur so affektiert wie Houellebecq, er trifft auch das zwischen Wut und Wurschtigkeit changierende Wesen des muffigen Literaturstars perfekt. "Ich habe den Eindruck, Sie parodieren sich selbst!“ wirft ihm sein Bühnenpartner einmal vor. "Stimmt“, erwidert Simon trocken. Guter Mann, gute Aufführung. WK

Garage X, Fr, Sa 20.00


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