Die "Zweite Liga“ im Spannunsfeld zwischen Weltpolitik und WG-Tratsch

Lexikon | Kritik: Hermann Götz | aus FALTER 48/12 vom 28.11.2012

Im letzten Lieblingsjahr der apokalyptisch Veranlagten - dem runden 2000 - hießen die interessantesten der damals 30-jährigen Autoren laut Literatur und Kritik zum Beispiel Daniel Kehlmann oder Thomas Glavinic, im Weltuntergangsjahr 2012 müsste der 1980 geborene Dramatiker Johannes Schrettle genannt werden. Das auch gerade deshalb, weil er als Schreibender immer wieder in den Hintergrund tritt. Er tut das zugunsten des Performance-Kollektivs zweite liga für kunst und kultur, das zum Ausklang des Jahres nach Schrettles Dramaturgie die wunderschöne Arbeit "zweitausendzwölf oder: die frau, die sich selbst eine geschichte erzählen kann“ zeigt. Das Erzählen und seine Perspektiven, das Theater und seine Möglichkeiten, die Politik und das Private - sie spielten schon in bisherigen liga-Arbeiten die Hauptrollen, bei dieser jüngsten tritt das Private in den Vordergrund. Es ist die bisher intimste Performance der liga. Seit Februar haben Vera Hagemann, Barbara Kramer, Christina Lederhaas und Klaus Messner Tagebücher geführt, deren Einträge nun in einer von Maruša Sagadin gestalteten Bühneninstallation hin und her geworfen werden. Im Spannungsfeld zwischen WG-Tratsch und Weltpolitik, verbaler Entblößung und wildem Fabulieren präsentieren die Akteure - jeder auf seine Weise - den Rückblick auf das ausklingende Jahr als Einblick in ein Leben und seine sehr private Fiktion. Nachrichteneinspielungen und das Patchwork der Erzählstrategien strukturieren den Abend, während gemeinsam eine Suppe gekocht wird. Es gibt 50 Wege eine Geschichte zu erzählen. Oder eine Zwiebel zu schneiden. F

zweite liga für kunst und kultur, 13. bis 15.12.


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