Meinesgleichen

Der Medienzukunft müde, bernsteinfarbene Augen

Falter & Meinung | aus FALTER 49/12 vom 05.12.2012

Man weiß ja wirklich nicht mehr, woran man sich halten soll. Krise, Katastrophe - was haben wir hier, was haben die draußen nicht alles an Warnvokabeln zur Lage der Medien strapaziert. Und jetzt stellt Rupert Murdoch auch noch seine Tablet-Zeitung The Daily ein. Die hatte es zwar auf 100.000 zahlende Abonnentinnen gebracht, aber allem Wischen, Tippen und Klicken zum Trotz hatte es der Inhalt nicht gebracht, und vor allem: das Geschäftsmodell (99 Cent pro Woche oder 39,99 Dollar pro Jahr hatten offenbar nicht genug Geld hereingebracht); Mister Murdoch sagte, es sei ein interessantes Experiment gewesen und man mache mit dem erworbenen Know-how jetzt bei der New York Post weiter. Im Februar 2011 hatte er The Daily noch "das Medium der Zukunft“ genannt.

Rupert Murdoch ist ein moralisch diskreditierter alter Mann, die Zukunft ist bekanntlich jung und weiblich. Wie Julia Jäkel, die neue Chefin des größten deutschen Zeitschriftenverlags Gruner+Jahr, einer Bertelsmann-Tochter. Für uns interessant, denn G+J besitzt die Mehrheit am österreichischen Magazin-Oligopol News-Gruppe. Und wie sieht Jäkel die Zukunft? Mit "bernsteinfarbenen Augen“ (Mr. Murdochs Augenfarbe kennen wir nicht). Und "bei den Themen Zahlen, Digitalzukunft und Trennung von Text und Anzeigen“ werden diese Augen "leicht müde“. Lieber rede Jäkel von guten Texten und Autoren. Na also, da kann ja nix mehr schiefgehen mit der Zukunft des Qualitätsjournalismus. F

Quellen:

¦ Evelyn Roll: Druck und Papier (Porträt von Julia Jäkel auf Seite drei der Süddeutschen Zeitung, 1./2.12.)


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