Politisches Buch

Die Dämonisierung der Arbeiter und Proleten

Politik | Rezension: Sibylle Hamann | aus FALTER 49/12 vom 05.12.2012

Ein britisches Buch zeigt die systematische Diskriminierung der weißen Unterschicht und die bornierte Sicht der Bürger auf die Prolls

Es reichen ein paar Codewörter, und man weiß sofort, wer gemeint ist. Der Trainingsanzug, zum Beispiel. Der Kampfhund. Die vollen Aschenbecher auf dem Küchentisch. Die teure Playstation. Die Chips und die Fertigpizza, mit denen die fette, überforderte, alleinerziehende Mutter die Kinder vor dem Fernseher ruhigstellt. In den Ferien geht es dann mit dem Billigflieger zu Billigsangria und Sonnenbrand.

Das Proletariat ist abgeschafft, aber der Proll ist überall. Er eignet sich trefflich als Gegenstand gepflegter intellektueller Diskurse, im Fernsehen wird er täglich vorgeführt. Im Gemeindebau. In Sozialreportagen. In Kuppelshows. In Pseudo-Dokumentationen wie "Supernanny“, "Blockstars“ oder "Frauentausch“.

Keiner will dem Proleten nahekommen, aber aus der Distanz schaut man ihm gern beim Leben zu. Denn er jagt uns wohlige Schauer der Abscheu über


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