Mediaforschung Verführungskolumne

Herr Gallun, warum sollen wir uns für Sie ausziehen?

Medien | aus FALTER 49/12 vom 05.12.2012

Wer gegen echten Pelz demonstrieren will, muss nicht länger mit einem Kübel knalliger Farbe vor dem Opernball auf die Dame im Nerz warten. Ab sofort können Tierschützer das, was sie "Mord für Mode“ nennen, ganz gemütlich und völlig legal von zu Hause aus anprangern.

"Nackt gegen Pelz“ lautet das Motto einer Onlinekampagne der Tierschutzorganisation Vier Pfoten. Wer Pelztierchen retten will, soll sich dafür splitterfasernackt ausziehen. Natürlich nicht in echt - nur virtuell, erklärt Nils Gallun. Er ist bei der Hamburger Agentur Grimm Gallun Holtappels für die Kampagne verantwortlich.

Jeder Demonstrant erhält auf der Webseite parade-gegen-pelz.org seinen eigenen gezeichneten Avatar (den sogenannten "Nacketar“). Und weil im wirklichen Leben nicht alle Nackerpatzl gleich ausschauen, tun das die virtuellen auch nicht: Von der Kopfbehaarung bis hin zur Intimfrisur (rasiert oder auch behaart mit Zöpfchen) können die User ihren Körper gestalten. Ist der Nacketar fertig, marschiert er auf einer virtuellen Straße an Geschäften vorbei, die noch mit Pelz handeln.

Verbreitet wird die Mitmachwerbung über Facebook und Twitter: Mittlerweile demonstrieren tausende Nacketare mit. "Die Menschen lassen sich eben mit einer guten Idee besser motivieren als mit radikalen Haudrauf-Aktionen, für die einige Tierschutzorganisationen bekannt sind“, sagt Gallun. Aber vermutlich liegt das große Interesse an der Aktion auch daran, dass man nicht seinen echten Winterspeck herzeigen muss.

Julia Prummer


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