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Summly: Eine App für das Zeitalter der Datenflut

Medien | Prüfbericht: Thomas VaŠEk | aus FALTER 49/12 vom 05.12.2012

Diese Kolumne ist zu lang. Wie überhaupt die meisten Texte. Kürzen kann man eigentlich fast alles. Ein altgedienter Chefredakteur erklärte mir einmal, wenn es darauf ankäme, würde er sogar die Bibel auf eine Seite zusammenstreichen. So gesehen hatte der 17-jährige Brite Nick D’Aloisio genau die richtige Idee: Seine App "Summly“ dampft Nachrichten auf etwa 400 Zeichen ein, das ist etwa so lang wie eine Kurzmeldung im Falter. Auf einer schicken Oberfläche kann der Nutzer zwischen verschiedenen Themen wählen, allerdings lassen sich nur solche Quellen nutzen, mit denen Summly zusammenarbeitet. Bislang sind das fast ausschließlich englischsprachige Angebote. Per Fingerwisch gelangt man von einer Zusammenfassung zum Originalartikel. Der Kürzalgorithmus produziert meist durchaus sinnvolle Ergebnisse.

Zwar gibt das Summly-Abstract nur einen ersten Überblick, aber das genügt immerhin für die Entscheidung, ob es sich lohnt, den ganzen Artikel zu lesen. Insgesamt ist Summly eine der cleversten Innovationen im News-Bereich seit langem. Denn die App erfüllt ein Bedürfnis der Nutzer: Niemand will auf Mobilgeräten Webseiten laden, um einen Artikel zu lesen. Summly erspart einem das. Und im Unterschied zu Aggregatoren oder RSS-Feeds liefert Summly immerhin mehr als eine Überschrift. Diese App könnte das Nachrichtengeschäft im Netz dramatisch verändern. Denn wozu noch längere Artikel, wenn die Leute nur noch 400-Zeichen-Häppchen lesen? F

Thomas VaŠek ist Journalist und Buchautor in München


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