Pimp My Jura Soyfer: Der Rabenhof aktualisiert die Parabel "Der Weltuntergang“

Feuilleton | Theaterkritik: Wolfgang Kralicek | aus FALTER 49/12 vom 05.12.2012

Zum 100. Geburtstag Jura Soyfers finden an mehreren Wiener Bühnen Leseprogramme statt. Nur der Rabenhof war mutig genug, ein ganzes Soyfer-Stück auf die Bühne zu bringen. Mutig ist das deshalb, weil Soyfers in den 1930er-Jahren fürs Kabarett verfasste Polit-Satiren heute doch ziemlich altbacken wirken.

In seinem ersten Stück, "Der Weltuntergang“ (1936), nähert sich ein Komet namens Konrad (Markus Kofler) der Erde, und obwohl der Wiener Professor Guck (Heribert Sasse) vor der Katastrophe warnt, sehen die Politiker keinen Grund, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Da könnt’ ja jeder kommen! Inhaltlich ist daran vieles aktuell - etwa die Pointe, dass die globale Weltuntergangspanik die Börsenkurse in die Höhe treibt. Formal aber ist das schon eine arg biedere Parabel, die man so eigentlich nicht mehr bringen kann.

Der für die Kindertheaterschiene im Rabenhof zuständige Regisseur Roman Freigaßner unternimmt in seiner ersten Inszenierung für Erwachsene deshalb alles Mögliche, um das Stück aufzupimpen: Die Gags wurden von Oliver Baier aktualisiert, aus einem Nazi etwa wird ein (von Baier gespielter) FPÖ-Politiker, und anstelle von Regierungschefs hat hier die Wirtschaft das letzte Wort.

Ansonsten tut die Inszenierung so, als wäre das eine ganz normale Rabenhof-Produktion: Für die Songs wurden eine FM4-affine Band (Das Trojanische Pferd) engagiert und per Video Freunde des Hauses (Christoph Grissemann, Science Busters) zugeschaltet. Das ist ganz lustig, hilft aber alles nichts: Satire funktioniert so nicht mehr. Soyfers pathetisches Schlusslied ("Voll Hunger und voll Brot ist diese Erde, voll Leben und voll Tod ist diese Erde …“) hinterlässt am Ende den mit Abstand stärksten Eindruck eines Abends, der ein gutes Argument für Soyfer-Leseprogramme ist. F

Nächste Vorstellungen am 7. und 8.12., 20 Uhr, im Rabenhof


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