Warten auf den neuen Menschen

Feuilleton | Würdigung: Erich Klein | aus FALTER 49/12 vom 05.12.2012

Am 8. Dezember wäre der austro-ukrainische Dichter Jura Soyfer 100 Jahre alt geworden

Revolutionen finden in Österreich nicht statt - sie werden bestenfalls gedichtet. Holprig und durch die Geschichte stolpernd. So auch im Fall von Jura Soyfer.

Der am 8. Dezember 1912 als Sohn eines jüdischen Fabrikanten in Kharkiw geborene Soyfer flieht mit seiner Familie vor Oktoberrevolution und Bürgerkrieg nach Österreich. Um den befreundeten Spross eines Bankdirektors vom Sozialismus zu überzeugen, lässt der sozialistische Gymnasiast Soyfer in einer "Faust“-Parodie Gretchen fragen: "Du bist ein herzensguter Mann, allein wie hältst du es mit der Revolution?“ Antwort: "Um einen Dienst zu tun einem Kameraden, ging ich auf die Barrikaden.“

Schon als Jugendlicher träumt Soyfer wortgewaltig von der "Diktatur des Proletariats“ - ein tragischer Traum, wie man retrospektiv, angesichts des austrofaschistischen Ständestaats und des Nationalsozialismus, sagen muss.

"Der proletarische Aufbau wird


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