Ohren auf Sammelkritik: Popbuben jenseits der 60

Der Greis ist heiß und hat einen Pascher

Feuilleton | aus FALTER 49/12 vom 05.12.2012

Einem hartnäckigen Gerücht zufolge ist es in der Popmusik schwer, (in Würde) zu altern. Genährt wird es vom kitschigen Poète-maudit-Klischee, demzufolge man seine Kunst zu erleiden und früh zu sterben habe - tunlichst durch Suizid per Schusswaffe, Nadel oder Flasche. Hinzu kommt, dass frühvergreiste Popkritiker sich nur dafür interessieren, ob zum Beispiel David Byrne, der heuer im Mai seinen 60. Geburtstag beging, eh noch klingt wie die Talking Heads.

Herrn Byrne ist’s wohl wurscht. Er hat sich mit der jungen US-amerikanischen Sängerin St. Vincent zusammengetan, die exakt halb so alt ist wie er. Für "Love This Giant“ (4AD) haben die beiden gemeinsam ein Dutzend Stücke komponiert und auf das satte Drum- und Percussion-Programming gleich noch eine Brass-Band draufgesetzt. Das schiebt mächtig an, kann auf Dauer auch etwas erschöpfen.

Schon wesentlich gelassener gleitet Donald Fagen dem Vorruhestand entgegen. Er macht auf "Sunken Condos“ (Reprise) einfach weiter wie bisher.


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