Stadtrand Urbanismuskolumne

In Wien wird ohnehin viel zu wenig gegrüßt

Stadtleben | aus FALTER 49/12 vom 05.12.2012

Wer mit der U6 Richtung Spittelau fährt, wird kurz vor der Station überaus freundlich begrüßt. Nein, nicht vom U-Bahn-Fahrer oder übergeschnappten Mitreisenden. In einem der Wohnhäuser, die hier beängstigend dicht an den Stadtbahnbögen stehen (man kann den Leuten dort quasi auf den Esstisch schauen), leben Freunde des öffentlichen Nahverkehrs. "Wir grüßen die U6“ haben sie in fetten Buchstaben an die Fenster ihrer Dachgeschoßwohnung geschrieben. Das Beispiel sollte Schule machen. Wer mit der U6 unterwegs ist, könnte ja auch Plakate an die U-Bahn-Fenster heften, auf denen steht: "Wir grüßen dich, lärmgeplagter Gürtelanrainer!“ Man könnte einander auch einen guten Tag oder schöne Weihnachten wünschen und Komplimente machen ("Ihr seht heute wieder toll aus“).

Es wird in dieser Stadt ohnehin viel zu wenig gegrüßt. Lasst uns einander zuwinken, an Fenstern Fahnen hissen und im Feierabendstau Chöre bilden. Irgendwann merken wir dann halt, dass die Stadt nicht Facebook ist. Und schlagartig sind wir wieder grumpig. F


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