Ins Mark Der Kommentar zur steirischen Woche

Nehmen wir uns an die Kandare!

Steiermark | aus FALTER 49/12 vom 05.12.2012

Unlängst hat das Nachrichtenmagazin Profil einen ausführlichen Artikel über Graz veröffentlicht. Unter dem Titel "Stadt der Selbsterhebung“ haben wir eine drüber bekommen. Kurz gesagt: Der Biedersinn würde in Graz regieren. Vor allem eine Verbotsstadt seien wir. Und beim Rolltreppenfahren in Graz ist der Redakteurin eines aufgefallen: "Die Grazer stehen stur wie Böcke, links wie rechts, und lassen niemanden vorbei.“ Ja, Gott sei Dank ist das Rechtsstehen noch nicht verboten!

Dass die Steirerkrone den Artikel, wie sie es letzte Woche tat, aufgreifen würde, war zu erwarten. Das verlangt der gesunde Lokalpatriotismus. Der Profil-Bericht, so heißt es, "schreit nach einer entschiedenen Widerrede“. Leider hat es der Artikel mit einigen Recherchefehlern - dass etwa die Grazer der Feinstaub "wenig berührt“, stimmt schlichtweg nicht - und recht groben Zuspitzungen der Steirerkrone nicht allzu schwer gemacht, dagegen ihr Wort zu erheben. Und ob die Bildauswahl fair war, darüber lässt sich streiten: zwei Fotos aus der Nazizeit und drei Stück von der maroden und in Sanierung befindlichen Annenstraße. Andererseits, und das ist ein mediales wie gesellschaftliches Problem: Man muss immer ein wenig über die Stränge schlagen, um für Aufregung zu sorgen und sich Gehör zu verschaffen.

Aber bitte schön: Wenn es dem Profil schon wert war, drei Seiten freizumachen und eigens eine Redakteurin in den Süden zu entsenden, um uns in die Pfanne zu hauen, dann hören wir eben ausnahmsweise auf die Zurufe von außen. Wir nehmen uns an die Kandare! Damit das Nachrichtenmagazin das nächste Mal titelt: "Graz - Stadt der Selbsterkenntnis“. F


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige