Doris Knecht Selbstversuch

Der braucht sich gar nicht aufpudeln

Kolumnen | aus FALTER 49/12 vom 05.12.2012

Die Pläne für diese Woche: 1) Mit Philipp zu Scott Matthew.

2) Und zwar am Nikoloabend, ein Ereignis, das auch heuer wieder ignoriert bzw. auf einer allseits entlastenden, rein materiellen Basis zelebriert wird: Das ganze christliche Rundum-Tralala sparen wir uns, es werden nur die Säcke mit dem Süßzeug überreicht, bitte, danke. Höchstens dass die Erwachsenen, während die Kinder die unnedige Erdnuss-Mandarinen-Garnitur aussortieren, ein kleines Dankesmantra chanten: weil man den Abend nicht mehr im Kreise marodierender Kleinkinder verbringen muss, die einem armen, entgeisterten, als Nikolo verkleideten Studenten die Grenzen seiner prekariären Leidensfähigkeit aufzeigen.

3) Mit den Mimis ins Kino und "Oh Yeah She Performs“ anschauen, solange er noch im Kino läuft. Der Film ist, das wollte ich hier schon lange bemerken, sehr viel besser, als der Falter behauptet, beziehungsweise mag ich ihn vermutlich aus anderen Gründen als die, weshalb ihn der Kollege vom Film nicht so schätzt. Meine: Verrückt tolle Musikerinnen, denen man beim Leben und Arbeiten zuschaut, extrem guter Sound, und als der Film aus war und ich das Kino verließ, war ich wahnsinnig gern eine Frau.

Der Kollege O. vielleicht nicht so, das versteht man. Aber den Mimis, die, wenn ich die Zeichen richtig deute, unmittelbar vor der Bandgründung stehen, könnte der Film sehr gefallen.

4) Endlich zum Rückenröntgen gehen, was sich als angezeigt erweist, nachdem man sich letzte Woche beim Versuch, einen Post-Ausrutsch-Sturz zu vermeiden, derart das Kreuz verrissen hat, dass man danach zwei Tage hilflos am Rücken lag wie weiland Kafka himself. Die erste halbe Stunde erwog man am Küchenfußboden, den noch schnarchenden Langen im Bett an- oder gleich einen Notarzt zu rufen, war aber akut nicht in der Lage, das Handy zu ergreifen, das unerreichbar einen Meter entfernt oben auf dem Küchentisch lag. Schließlich standen die Mimis auf, fanden ihre kaputte Mutter und fütterten sie mit Schmerztabletten, die sie schließlich in die Lage versetzten, eine stabile Rückenlage auf dem Sofa einzunehmen.

Natürlich trägt man am dritten Tag, kaum kann man wieder aufstehen und das Haus verlassen, auch wieder Schuhe mit Absätzen, hat also keinerlei Mitleid verdient und muss sich strafweise vom feschen Fotografen auslachen lassen, als man das Stammlokal rechtwinklig und eher subelegant betritt. Betrippelt, eine würdelose Gangart jedenfalls, was auch immer, allerdings braucht sich der FF gar nicht aufpudeln, der fällt ja schon von einem Flascherl Sprudelwein zu Mittag um, ich werde jetzt nicht darauf herumreiten, aber Schwächen hat jeder.

5) Die eigenen Schwächen respektieren lernen. Ja. Eh. F

Eine neue Auswahl von Doris Knechts Falter-Kolumnen gibt es ab sofort in dem eben erschienenen Band: "Man kriegt so viel zurück!“ (rororo, 252 Seiten, € 9,30),


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