Menschen

Bin im Puff

Falters Zoo | aus FALTER 49/12 vom 05.12.2012

Steigen Sie nicht mehr ein: Welches Kommando die Wiener Linien ihren Fahrgästen kurz vor Abfahrt des Zuges ("Zug fährt ab“, "Zurückbleiben, bitte“) auch geben, es klingt immer ein bisschen harsch. Daran kann auch Angela Schneider wohl nichts ändern, deren Stimme ab diesem Sonntag die Öffis beschallt. Aber wir haben uns da durch einige Tonproben durchgehört, Frau Schneiders Stimme klingt auch nicht so lieblich wie erwartet. Überhaupt: Mit den Signalgongs im Sechsachteltakt erinnert die neue U-Bahn-Stimme ans Navi aus dem Auto.

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Eigentlich jagt man ja bei diesem Wetter nicht einmal einen Hund vor die Tür, wenn allerdings eine so tolle Band wie A Life, A Song, A Cigarette ihr neues Album präsentiert, machen wir gerne eine Ausnahme und steigen in die U-Bahn. Das dachten sich offensichtlich nicht nur wir, denn das Wuk-Foyer füllte sich letzten Donnerstag rasch mit zahlreichen Gästen, um den Release von "Tideland“ zu feiern. Sänger Stephan Stanzel befand sich in Höchstform, insgesamt gab die Band 25 Songs zum Besten, darunter auch viel altes Material. Dem Publikum hat das auf jeden Fall gefallen. Und wer’s verpasst hat, bekommt im Dezember und im Jänner mit einer ALASAC-Mini-Tour noch eine Chance.

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Klaus Nüchtern hat ein Buch über den amerikanischen Stummfilmkomiker Buster Keaton geschrieben. Das wurde als Auftakt einer Buster-Keaton-Reihe im Filmmuseum präsentiert - mit einem Vortrag des Autors, Filmausschnitten und zwei kompletten Buster-Filmen. Filmmuseums-Direktor Alexander Horwath freute sich auch über ein original Notenblatt: Nüchtern hatte ursprünglich geplant, ein eigens komponiertes Klarinettenduett (er komponiert offenbar einmal jährlich was) zum Besten zu geben. Allerdings fiel der Klarinettenpartner aus, weshalb am Ende dann das Notenblatt ohne Ständchen in die Musiksammlung des Filmmuseums überging. Aber der Kollege hat versprochen, das Konzert im Zimmer der Falter-Zoo-Direktion nachzuholen.

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Mieze Medusa mag Schubladen gar nicht. Seitenstraßen aber offenbar schon, weshalb die Poetry-Slammerin und Rapperin gemeinsam mit ihrem Tenderboy und Willi Landl am kommenden Dienstag, 12. Dezember, den Auftakt zu einer neuen Serie des Künstlers Oliver Hangl macht. Wieder sind, wie oft bei Herrn Hangl, Funkkopfhörer mit im Spiel, aber nach Gehsteigdisco gibt es jetzt das Walking Concert: Performer und Publikum bewegen sich dabei jedes Mal auf einer neuen Route durch den öffentlichen und vielleicht auch privaten Raum. Die erste Konzerttournee startet um 18 Uhr in der Kirchengasse 48; übrigens bei jedem Wetter.

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Matthias Euler-Rolle ist ja nicht nur ein bekanntes Radiogesicht, sondern auch noch Vater (darüber hat er zwei Bücher geschrieben) und Geschäftsmann. Als solcher eröffnete er nun ein Puff. Soweit wäre das eine Meldung für Boulevardzeitungen. Allerdings ist dieser Puff gar kein Puff (mehr), sondern eine ausgesprochen pittoreske Bar in der Girardigasse gleich beim Semper-Depot (siehe auch Seite 57). Wobei am Pittoresken wesentlichen Anteil Karl Emilio Pircher und Fidel Peugeot haben, die beiden Kreativgesichter hinter dem Wiener Designlabel Walking Chair. Für unseren Geschmack ist das Thema Mineralwasser beim Interieur vielleicht ein wenig zu dominant geraten, immerhin ist es ja eine Bar. Andererseits: Der Prosecco, der kommt hier aus dem Zapfhahn. Heißt ja schließlich Puff, der Laden.

barbara schellner

christopher wurmdobler

E-Mail an den Zoo: zoo@falter.at


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