Tiere

The winner is …

Falters Zoo | aus FALTER 49/12 vom 05.12.2012

Trommelwirbel: Finale im Voting zum beliebtesten Tier der Falter-Leserschaft! *tusch* Gleich vorweg: Sieger wurde kein Schmetterling, und auch die österreichische Haustierfauna konnte sich nicht durchsetzen. Ich danke für all die Nominierungen von erdigen Tierarten, die man auch ohne Master in Biologie kennt: "Mein Lieblingstier ist die Miezekatze, knapp gefolgt von Eichhörnchen. Pferde sind auch toll!“ Wahre Worte. Aber. Existenzen mit gebrochener Biografie sind offenbar beliebter, und so schaffte es jenes Tier auf den ersten Platz, das zu den queersten Evolutionsprodukten gehört: das Schnabeltier.

Als man 1798 das erste Exemplar dieses Tieres aus Australien nach London brachte, knirschte es gehörig im Gebälk der Naturforscher. Denn das eierlegende, entenschnäbelige, krallenbewehrte, amphibisch lebende Säugetier sperrte sich gegen jede taxonomische Einordnung und galt als ein unmögliches Monstrum der Natur. Auch Philosophen wie Kant beschäftigte das Schnabeltier mit seinem chaotischen Körper. Denn als Produkt einer logischen Natur sollte es sich der allgemeinen Hausordnung von Naturerscheinungen fügen. Wie aber konnten sich diese sonst nur von Fabelwesen bekannten Merkmale unterschiedlichster Tiergruppen (Reptilien, Vögel, Säuger) in einem Lebewesen anhäufen?

So genau weiß man das auch heute noch nicht, und deswegen ist das Schnabeltier allemal für einen Lacher gut. Günther "Gunkl“ Paal baute es in sein Kabarettprogramm "Grundsätzliche Betrachtungen (…)“ ein und brachte die Irritation über diese Chimäre auf den Punkt: "Das Schnabeltier ist ungefähr 60 Zentimeter lang, hat ein braunes, pelziges Fell und einen Entenschnabel. Die Jungen haben dazu noch Zähne, die fallen dann aus, die Beine schauen aus wie von einem Maulwurf, nur mit Schwimmhäuten, die Männchen haben am Hinterbein einen Giftstachel, das Schnabeltier legt Eier und säugt seine Jungen! Also, wie Gott das eingefallen ist, da hat man sicher oft gehört: ‚Traust di nie, traust di nie!‘“

Etwas poetischer und wertschätzender formulierte es der wunderbare Robert Gernhardt:

"Das Schnabeltier vollzieht den Schritt vom Ich zum Wir. Es spricht nicht mehr nur noch von sich, es sagt nicht mehr: Dies Bier will ich! Es sagt: Dies Bier, das wollen wir! Wir wollen es, das Schnabeltier!“

Und genau so haben die Leser entschieden. F

iwaniewicz@falter.at

zeichnung: püribauer.com


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