Kommentar  

"Fernsehtauglicher“ Bachmann-Preis: Das war’s dann wohl

Literatur

Falter & Meinung | Klaus Nüchtern | aus FALTER 50/12 vom 12.12.2012

Eines der ärgerlichsten Missverständnisse des sogenannten Medienzeitalters ist das Gerede von der "medienadäquaten“ Aufbereitung. Schon richtig: Musik geht im Radio besser als mit Rohrpost. Aber dass es im Fernsehen verboten sein soll, die Kamera einfach auf die gefürchteten talking heads zu halten, ist Unfug.

Wenn die langjährige Organisatorin des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs, Michaela Monschein, nun aus obskuren Gründen weggelobt wurde (der Falter berichtete) und in gewöhnlich gut informierten Kreisen apokalyptisches Geraune zu vernehmen ist (sogar die Ekelvokabel "Casting-Show“ ist gefallen), kann man als erfahrener Realist leider nur mutmaßen, dass sich die Verantwortlichen von 3sat wieder was einfallen lassen, um den Bewerb "fetziger, poppiger, fernsehtauglicher“ (Standard) zu machen.

Das hatte man bereits 2008 unter der Leitung Margit Czöppans versucht.

Dieter Moor als Moderator, der den Kandidaten die Sportreporterfrage "Wie fühlen Sie sich?“ stellte, statt die Wortmeldungen der Jury zu registrieren, erwies sich freilich als ebenso schlechte Idee wie die Verlegung der Abstimmung in die Prime Time. Prompt wurde das mediale Mainstreaming wieder rückgängig gemacht.

Wenn die Quote so mies ist, wie immer behauptet wird - nix Genaues hört man freilich nie -, kann man ja auf die Liveübertragung auf 3sat, die sich der ORF jahrelang als Orden für die heroische Befolgung seines Bildungsauftrags selbst ans Revers gesteckt hat, verzichten und durch Zusammenfassungen zu vernünftiger Zeit ersetzen.

Nur "fernsehtauglich“ soll man den Bewerb bitte nicht machen wollen. Damit bringt man ihn unter Garantie um.


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