Mediaforschung 

Wieso reimt jetzt auch Ute Bock auf Plakaten, Herr Spreitzer?

Verführungskolumne

Medien | Nina Horaczek | aus FALTER 50/12 vom 12.12.2012

Normalerweise sind es die Freiheitlichen, die holprig dichten. Diesmal stehen die Reime des ungewöhnlichen Plakats aber neben dem Bild einer bekannten Dame: "Dealer, Diebe, Messerstecher. Nicht jeder Flüchtling ist Verbrecher“, steht auf den Werbeplakaten für die Flüchtlingshelferin Ute Bock, die in ganz Wien plakatiert sind.

Verantwortlich für diese Kampagne ist die Agentur JWT. "Wir waren auf der Suche nach einem Social Client, der zu uns passt“, sagt JWT-Geschäftsführer Jörg Spreitzer, "und das Projekt von Ute Bock ist ein ehrliches und gutes, mit dem wir uns identifizieren.“

Also schnürte JWT ein kostenloses Weihnachtspaket für die 70-jährige Flüchtlingshelferin.

Auf die von der Gewista in ganz Wien zur Verfügung gestellten Plakatflächen und den 10.000 Direct Mailings in Kooperation mit der Post und dem Dialog Marketing Verband Österreich folgen 2013 noch Radio- und Fernsehspots im ORF.

Aber laufen die Gestalter dieser Kampagne nicht Gefahr, mit derartigen Werbesprüchen Vorurteile in den Köpfen der Menschen zu verstärken? Bleibt da nicht am Ende die Assoziationskette "Messerstecher-Flüchtling-Verbrecher“ übrig?

"Nein“, sagt JWT-Chef Spreitzer. Vielmehr müsse man das Thema Flüchtlinge provokant und ironisch präsentieren. "Wir haben uns bewusst erfolgreicher Elemente aus dem Wahlkampf bedient und ein Wahlplakat simuliert“, sagt der Agenturchef. Es muss ja nicht immer nur die FPÖ sein, die holprig reimt.


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