Zeit am Schirm

TV-Kolumne

Medien | Matthias Dusini | aus FALTER 50/12 vom 12.12.2012

Als sporadischer Kinogeher stelle ich mir immer wieder die Frage, warum ich Filme, die ich im Kino mochte, auf dem Bildschirm zu Hause nie anschauen würde. Vielleicht liegt es daran, dass man mehr schätzt, wofür man eine Eintrittskarte gelöst hat.

Es gibt eine bessere Erklärung, den Sound. TV-Boxen muss man aufdrehen, besonders die neuen flachen, die zur Wand hin gerichtet sind. Wenn viel geschossen wird, dreht man das Gerät leiser, damit nicht der Nachbar mit dem Besen an die Decke klopft. Ein Kinofilm wie Miguel Gomes’ "Tabu“ ist aber auf eine gute Soundmaschine angewiesen. Erst dann hört man den Wind durch die Teestauden streichen und die Vögel zwitschern. Der Fifties-Schlager schlägt den Takt der Leidenschaften. Erst durch diese Töne bekommen die Bilder ihre die Aufmerksamkeit bannende Körperlichkeit. Eigentlich sollte man Filme wie "Tabu“ nicht im TV, sondern im Radio spielen.


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