Stadtrand 

Ausnahmezustand: Samstagnachtfieber

Urbanismuskolumne

Stadtleben | aus FALTER 50/12 vom 12.12.2012

Im Privat-TV gibt es so eine unsägliche Sendung über Jugendliche, die sich allsamstäglich die Kante geben. "Unterschichtsfernsehen“ nennt man derlei Formate landläufig. Es hat den gleichen Effekt wie ein besonders grindiger Pickel: Es graust einem zwar unendlich, aber man kann den Blick nicht abwenden. Ähnliches sieht man freitags und samstags in den zwei proklamierten Ausgehnächten in den Öffis - wenn die durchfahrenden U-Bahnen den "Ziaga“ auch für die kleineren Brieftaschen möglich machen. Immer wieder erstaunlich, welches Volk da unterwegs ist. Vor allem: wie massiv reaktionsfähigkeitsbeeinträchtigt schon zu früher Stunde!

Besonders arg ist es in der Vorweihnachtszeit: nämlich die Meuten der Christkindlmärkte besuchenden Arbeitskollegen. Wenn der hackedichte Herr Generaldirektor im Ausschnitt der kleinen Sekretärin hängt, die sich durch die besoffene Schmuserei sichtlich befördert fühlt, gewinnt der Begriff des Fremdschämens neue, sehr greifbare Dimensionen. Die sogenannte Oberschicht ist samstagnachts um nichts weniger "tiaf“. Im Gegenteil.


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