Still leben geht nicht

Stadtleben | Essay: Sibylle Hamann | aus FALTER 50/12 vom 12.12.2012

Stille wünscht man sich im Advent. Ein scheinheiliger Wunsch. Denn richtige Stille hält kein Mensch aus

Man weiß es ja. Dass auf dem Christkindlmarkt am Karlsplatz die Massen drängen, dass man dem Rathausplatz in dieser Jahreszeit am besten großräumig ausweicht und dass man sich mit ein paar Meditationsübungen fitmachen sollte, bevor man in der Nähe der Mariahilfer Straße einen Termin hat. Tagsüber Stau auf den Rolltreppen der Kaufhäuser, nachmittags Kinderentertainment, abends Spaß an den Punschstandln. Und wenn "Jingle Bells“ losgeht, ballt man die Faust in der Tasche.

"Stille Nacht“, das weiß man, wird es bis auf weiteres keine geben. Zumindest nicht, solang die angeblich "stillste Zeit des Jahres“ noch dauert.

Stille, endlich, verdammt noch mal! Das ist ein paradoxer Wunsch, der umso paradoxer wird, je lauter man ihn formuliert. So wie die Sehnsucht nach Stille überhaupt etwas Paradoxes hat.

Zunächst: Stille gibt es nicht. Es gibt sie eventuell im Weltall; auf der Erde

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