Prost!  

Der vergorene Gemüsesaft: eine Reinigung unter Tränen

Lexikon der Getränke. Diese Woche: Şalgam suyu

Stadtleben | aus FALTER 50/12 vom 12.12.2012

Haben Sie schon von dem türkischen Getränk Şalgam suyu gehört? Teufel noch mal, das hat es in sich! Der abendländische Geist denkt sofort an Biodelikatessen aus dem Waldviertel, an Wurzelraritäten mit seltenem Saatgut, sobald er Gemüse violetter Farbe zu Gesicht bekommt. Die beiden freundlich blickenden, gutmütig wirkenden Figuren auf dem Etikett der türkischen Firma Doğanay lassen jedoch erahnen, dass Salgam suyu nichts für Weicheier ist: Mutter Erde senkt ihr kopftuchbedecktes Haupt. Şalgam suyu ist der vergorene Saft der roten Steckrübe, der üblicherweise mit Karotte und Roter Rübe vermischt wird. Es ist kein Alkohol enthalten. Die wunderschön tiefrote Farbe der Flüssigkeit lässt an Granatäpfel denken, vom Geschmack her ist es aber das glatte Gegenteil. Dieser Saft geht in die Eingeweide, und das für einen guten Zweck. Vitamin C ist ohne Ende enthalten, viele Antioxidantien geben Kraft für den Tag, und die Nieren werden angeblich entlastet.

Die Hauptaufgabe des roten Farbstoffs Anthocyan ist es, freie Radikale zu binden, die durch oxidativen Stress entstanden sind. Hergestellt wird Şalgam suyu, indem kleingehacktes Gemüse einer Milchsäuregärung unterzogen wird. Danach wird die Flüssigkeit abgeseiht. Industriell gefertigt, ist es in jedem türkischen Supermarkt im 330-Milliliter-Plastikformat zu haben. Die Farbe erinnert an ein anderes Getränkeabenteuer aus Peru: Chicha Morada. Diese fast schwarze Limonade könnte gut zur Weihnachtszeit passen. Fortsetzung folgt.

MS


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