Jelinek gegen Goethe, das ist Brutalität: "Faust 1-3“ aus Zürich gastiert in St. Pölten

Lexikon | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 50/12 vom 12.12.2012

Die Polka-Punks Attwenger geben ihr traditionelles Adventkonzert im Chelsea, Musik des griechischen Komponisten Mikis Theodorakis im Konzerthaus und der deutsche Autor, Comedian und Sänger Rainald Grebe musiziert sich im Stadtsaal humorvoll durch seine Lebensgeschichte

Heinrich Faust ist Wolfgang Priklopil. Faust ist Josef Fritzl. Und Faust ist auch der Chef, der die Supermarktangestellte entlässt, weil sie abgelaufene Joghurtbecher mit nach Hause genommen hat.

Elfriede Jelinek hat sich, auf ihre unvergleichliche Art, Goethes "Faust“ vorgenommen. "FaustIn and out“ heißt der Text, in dem sie dem Hauptwerk des Klassikers streng feministisch auf den Zahn fühlt.

Doktor Faust, der das von ihm geschwängerte Gretchen auf dem Gewissen hat, wird von Jelinek als personifizierter Unterdrücker interpretiert; in ihrem Text spiegeln sich Faust und Gretchen in Priklopil und Natascha Kampusch, in Fritzl und seiner Tochter (und in ein paar anderen, weniger prominenten Zeitgenossen).

Als "Sekundärdrama“


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