"Tarnschriften“ in der Landesbibliothek: Shampoo ist nicht nur für die Haare

Lexikon | Kritik: Ulrich Tragatschnig | aus FALTER 50/12 vom 12.12.2012

Einer Idee Emil Grubers folgend hat sich die Intro-Graz-Spection einem bislang kaum behandelten Genre gewidmet, das - so spartenübergreifend es angesiedelt ist - bestens ins Programm der Künstlervereinigung passt: Vor drei Jahren kam Gruber ein Band über Kakteenzucht in die Hand, dieser entpuppte sich bald als etwas ganz anderes: "Tarnschriften. Verborgene Information“ heißt die Ausstellung in der Landesbibliothek (bis 22.2.2013), für die nun einige sehr spannende und beklemmende Exemplare dieser Gattung zusammengetragen wurden.

Bereits 1939 etwa hat die präparierte Verpackung von "Excentric Shampoo“ nicht nur über den rechten Gebrauch dieses Pflegeprodukts, sondern - im gut versteckten Beipackheftchen - auch über die Pogrome der Nationalsozialisten informiert. Dass die Blütezeit der Tarnschrift zwischen 1933 und 1945 war, überrascht wenig. Das jüngste in der Ausstellung präsentierte Exemplar datiert allerdings aus 2011: "radikal“, eine "Publikation der revolutionären Linken“ kommt charmanterweise als eine dem Thema "Kriminalität und Strafrecht“ gewidmete Ausgabe der Zeitschrift "Informationen zur politischen Bildung“ daher.

Zeitgenössisch wird das Material aber auch durch die von Wenzel Mraèek kuratierte Sektion mit Künstlern wie Fedo Ertl oder Arnold Reinisch, welche sich an Bänden der Reihe "Die deutsche Klinik“ abarbeiten. Und die Gruppe ORTLOS Space Engineering hat ein Ausstellungsdesign geliefert, das außerdem Skulptur ist, als solche aber nur von oben, von den Putti, die über dem ehemaligen Freihandbereich der Landesbibliothek schweben, entschlüsselt werden kann.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige