Kunst Kritik

Ein runder Tisch für die Zukunft Israels

Woche | aus FALTER 51/12 vom 19.12.2012

Ansicht der Schau von Yael Bartana

Der Ausstellungstitel in Neonlicht

Bekannt wurde die israelische Künstlerin Yael Bartana durch ihren Beitrag für die Venedig-Biennale 2011, den sie nicht für ihr Heimatland, sondern für Polen machte. Sie zeigte die Filmtrilogie "And Europe Will Be Stunned“, in der es um eine fiktive jüdische Befreiungsarmee in Polen geht. Der Jewish Renaissance Movement (JRMiP) ruft zur Rückkehr von 3,3 Millionen Juden in das Land ihrer Vorfahren auf.

Im Mai 2012 veranstaltete die Künstlerin den ersten Internationalen Kongress der Bewegung und kam nun nach Wien, um in der Secession deren erste Kunstinstallation zu gestalten. Dabei herausgekommen ist eine Mischung aus Sitzungssaal und Museum. Auf einem Podium steht ein großer, kreisrunder Tisch, wo die Mitglieder der JRMiP tagen könnten, aber auch andere, am politischen Disput interessierte Gruppen.

Der Titel "Wenn Ihr wollt, ist es kein Traum“ prangt als Neonlichtschriftzug an einer Wand; es ist ein Zitat Theodor Herzls. Dem Begründer des Zionismus ist neben Sigmund Freud die Ausstellung gewidmet. In Museumsvitrinen sieht man Devotionalien der beiden großen Reformer im Wien um 1900. Ihnen zur Seite steht eine Vitrine mit Souvenirs der JRMiP.

In den Filmen verknüpft Bartana die israelische Gegenwart mit europäischer Vergangenheit, überblendet die Erinnerung an den Holocaust mit aktueller Politik. Ihr Werk bietet Assoziationen zum Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern an, ohne ihn direkt darzustellen. Ähnlich assoziationsreich ist Bartanas Ausstellung. Entwarfen nicht Freud und Herzl die Vision einer besseren Zukunft aus dem Geist des Universalismus? Neben dieser politischen Interpretation gibt es auch noch eine formale: Der große, leere Raum bekommt durch das Podium eine gute Proportion. MD

Secession, bis 10.2.


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