Relektüren meisterlicher Fresken für die weniger Duldsamen

Woche | aus FALTER 51/12 vom 19.12.2012

Kritik: ULRICH TRAGATSCHNIG

Um in die Vorstellungswelten lange verblichener, bildlich aber feinstens konservierter und somit noch recht frischer Typen aus dem Renaissancezeitalter Einblick zu gewinnen, muss man sich ein Leben lang hinter dick verstaubten Archivalien vergraben, um am Ende dann womöglich festzustellen, dass nicht alles, was man sich erarbeitet und wohl auch aus den Fingerchen gesogen hat, zu einem Bild zusammenpassen will. Der weniger Duldsame wird sich der Zeitgenossenschaft von Sixtus IV., wie ihn Melozzo da Forli festgehalten hat, des Marchese Lodovico II., der von Andrea Mantegna ins Gonzaga Schloss gepinselt wurde, oder anderer von Botticelli oder Ghirlandaio Porträtierter auf mehr spielerische Art versichern wollen. Er bekommt dazu von Alfred Resch eine rasch wirksame Hilfe angeboten. Für seine in der Akademie Graz präsentierte Serie "Sixtinische Porträts“ (Akademie Graz, bis 16.1.2013) nutzt Resch Collage und Übermalung, um die Figuren eines lange verwehten, aber bestens illustrierten Abschnitts Weltgeschichte freizustellen, ihrem gewohnten Umgang zu entreißen. Was ihnen dabei an Gedanken angedichtet wird, ist auf den ersten Blick plausibel: So erkennt man einen Höfling im Gefolge Lodovicos gleich als eher berechnende Gestalt, während sich der zuvor erwähnte Papst als Humanist, sondern auch als Motorsportfreak erweist. Solche Aktualisierungen könnten mitunter peinlich werden, wenn Resch die Plattitüde nicht ästhetisch unterliefe. Seine Bilder gehorchen einer selbstbewussten inneren Logik, sie kombinieren Witz mit Augenschmaus, sind appetitanregend - auch für den Experten, dem freilich manches Haar zu Berge stehen wird. F


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