Kommentar Kulturpolitik

Kunsthallenchef Gerald Matt: die Tricks des Ausgetricksten

Falter & Meinung | Matthias Dusini | aus FALTER 51/12 vom 19.12.2012

Gerald Matt ist unschuldig. Das ergaben Ermittlungen der Korruptionsstaatsanwaltschaft und auch eine Prüfung des Kontrollamts der Stadt Wien. Seine Verwendung von Ressourcen der Kunsthalle Wien für private Zwecke war durch den Arbeitsvertrag gedeckt. Auch die Anwerbung ausländischer Sponsoren durch den Hinweis auf eine mögliche Einbürgerung war legal.

Seit 1. Oktober hat die Kunsthalle Wien einen neuen Direktor, Nicolaus Schafhausen. Es war großer politischer und medialer Druck nötig, damit der dringend notwendige Wechsel an der Spitze dieser öffentlich finanzierten Institution überhaupt möglich war. Als geschickter Taktierer hatte sich der Vorarlberger Kulturmanager im Laufe von 15 Jahren eine unantastbare Position aufgebaut. Ein willfähriger Verein winkte seine Entscheidungen durch. In dem autoritär geführten Ausstellungshaus waren alle Anstrengungen dem Wohle des Direktors untergeordnet. Die Marke Matt saugte die Autorenschaften von Kuratoren und Theoretikern auf. Immer weniger kompetente Mitarbeiter waren bereit, das von Eitelkeit und Willkür bestimmte Management von Matt und seiner Geschäftsführerin Bettina Leidl hinzunehmen. Eine allmähliche Implosion der Institution war die Folge, über die auch die positive Bilanz 2011 nicht hinwegtäuschen kann.

Zehntausende Besucher kamen in die Kunsthalle, um Salvador Dalí zu sehen, dessen Werke allerdings nur einen Bruchteil der Ausstellung ausmachten. Mit solchen Tricks vermochte Matt die Öffentlichkeit lang genug zu blenden. Für Leidl fand die Stadt Wien einen Posten bei der Förderstelle Departure. Nun muss die SPÖ-Stadtregierung zeigen, wie viel ihr Matts Unschuld wert ist.


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