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Herr Oxonitsch, wieso kriegt der Boulevard so viel Geld?

Politik | Interview: Ingrid Brodnig | aus FALTER 51/12 vom 19.12.2012

Erstmals liegen Daten vor, wie viel Geld die öffentliche Hand für Werbung ausgibt. Sehr viel. Die Stadt Wien ist die größte öffentliche Inseratenkundin und gab im dritten Quartal 2012 6,4 Millionen Euro aus - oft für den Boulevard. Informationsstadtrat Christian Oxonitsch erklärt dies.

Herr Oxonitsch, warum gibt Wien so viel Geld für Boulevardmedien aus?

Wir inserieren insgesamt in 450 Medien. Unsere Aufgabe ist es, alle Bürger und Bürgerinnen zu informieren. Da spielt der Boulevard eine große Rolle.

Nun ja, die Differenz ist schon auffällig. Der Standard erhält rund 220.000 Euro, die Zeitung Heute fast eine Million Euro.

Wenn ich in meinem Ressort über Hilfsmaßnahmen in der Weihnachtszeit informiere oder Pflegeeltern suche, will ich alle Wiener erreichen. Da muss ich in jenen Medien schalten, die große Zielgruppen ansprechen.

Die Politik könnte sagen: Wer guten Journalismus macht, erhält mehr Geld.

Noch einmal: Wir wollen möglichst alle Bürger und Bürgerinnen erreichen. Überdies ist es auch nicht unsere Aufgabe zu urteilen, was guter und was schlechter Journalismus ist.

Will man die Gunst der Medien kaufen?

Nein. Und wenn Sie die Zeitungen aufschlagen, werden Sie auch sehen, dass dies nicht der Fall ist.

Branchenintern weiß man doch, dass es bei manchen Blättern so läuft.

Dafür hätte ich gerne einen Beleg. Persönlich kann ich sagen: Es gibt weit mehr Artikel, über die ich mich ärgere als über die ich mich freue.

In den Verträgen der Heute-Redakteure stand sogar drinnen, dass sie wohlwollend über Inserenten berichten sollen.

Wir werben auch im selben Umfang in Österreich oder der Kronen Zeitung. Wenn ich die Nacht der Wiener Jugend ankündigen will, ist Heute für diese Zielgruppe ganz zentral. Also werde ich dort ein Inserat schalten und nicht in irgendeiner Pensionistenverbandszeitung.


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