Nachgetragen  Journal mehr oder weniger bedeutender urbaner Begebenheiten

Ist Fußball heute noch ein Teil der Arbeiterkultur?

Politik | Benedikt Narodoslawsky | aus FALTER 51/12 vom 19.12.2012

Einst war Fußball ein bürgerlicher Sport, aber weil er so billig war - man brauchte schließlich nichts außer einem aus Stoff zusammengeballten Fetzenlaberl als Ball -, wurde er bald auch unter Arbeitern beliebt und etablierte sich als Massensport.

Ist Fußball heute noch ein Teil der Arbeiterkultur?, fragte sich die SPÖ und lud ins Hernalser Arbeiterheim zur Diskussion. Sieht man sich die beiden Wiener Großklubs von oben an, so sind sie in roter Hand: Der ehemalige SPÖ-Minister Rudolf Edlinger ist Rapid-Präsident, SPÖ-Gewerkschafter Wolfgang Katzian sein Gegenüber bei der Austria. "Solche Arbeiter wie damals gibt es nicht mehr. Fußball ist heute ein Teil der Unterhaltungskultur“, relativierte Domenico Jacono. Er hat die Geschichte Rapids aufgearbeitet, der einst als "1. Wiener Arbeiter Fußballklub“ gegründet wurde.

Dass das Stadion dennoch sozialpolitischer Boden bleibt, schilderte Streetworker Christian Dworzak. Er knüpft Kontakte mit Fans, um Gewalt und Diskriminierung zu verhindern: "Aber wir sind nur zu zweit im Stadion. Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein.“ In Wien würden Vereine und Politik viel zu wenig für Sozialarbeit im Stadion tun. Vorbild ist Innsbruck; dort gibt es eine eigene sozialpräventive Projektgruppe für Fans.


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